Neues Deutschland: Mangelnde Entwicklung

Entwicklung ist mehrdimensional. Dass diese
Auffassung inzwischen allgemein anerkannt ist, ist ein Verdienst des
seit 1990 erscheinenden »Berichtes über die menschliche Entwicklung«.
Denn bis dato wurde Entwicklung in den herrschenden Kreisen – ob
Politik oder Wissenschaft – ausschließlich auf Wirtschaftswachstum
reduziert. Heutzutage berufen sich selbst FDP-Entwicklungspolitiker
auf das durch den indischen Wirtschaftsnobelpreisträger Amartya Sen
geprägte Verständnis von Entwicklung als Erweiterung der Freiheiten
der Menschen. Dieser Ansatz liegt dem »Index der menschlichen
Entwicklung« zugrunde, anhand dessen der Entwicklungsstand gemessen
wird.

Was der Entwicklungsindikator nicht vermittelt, ist eine Einsicht
in die Struktur, die global den Rahmen setzt: die
Weltwirtschaftsordnung. Nach wie vor entgehen dem Süden bis zu zwei
Milliarden US-Dollar täglich, weil er im Norden vor verschlossenen
Marktzugängen steht. Oder mit den Worten von Senegals Bauernpräsident
Samba Gueye: »Wir haben Erdnüsse exportiert, das wurde uns
kaputtgemacht. Wir exportierten Fisch, der wurde uns weggefangen. Nun
exportieren wir eben Menschen.« Zwischen Wirtschaftswachstum und
menschlicher Entwicklung gibt es keinen zwingenden Zusammenhang,
zwischen fairen Bedingungen und menschlicher Entwicklung dagegen
schon. Diese Einsicht kommt zu kurz.

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