Neues Deutschland: Killerdrohnen

Er war Vize-Gouverneur der jemenitischen Provinz
Marib und saß am Verhandlungstisch mit Islamisten, um über ein Ende
ihrer Gewaltaktionen zu verhandeln. Falscher Zeitpunkt, falscher Ort.
Denn auch er starb, als das US-amerikanische Militär vor drei Monaten
in einer Geheimoperation die »Al-Qaida-Stellung« bombardierte. 16
Drohnen-Angriffe brauchte die CIA, ehe sie im Vorjahr endlich
Baitullah Mehsud getötet hatte, den Anführer der pakistanischen
Taliban. Bis zu 320 Personen starben dabei nach Recherchen eines New
Yorker Magazins, und viele davon waren Zivilisten.

Das sind die »Kollateralschäden« eines Instruments, das Obamas
Chefberater im Anti-Terrorkampf stolz als erfolgreiches »Skalpell«
nach der bisherigen »Hammer«-Strategie zu verkaufen versucht. Kaum
registriert, hat der USA-Präsident den verdeckten Krieg seines
Vorgängers rund um den Globus massiv ausgeweitet. Die Grenzen
zwischen Pentagon und CIA verschwimmen immer mehr, und Obama scheint
es nicht zu stören, dass er da auf staatlich sanktionierten Mord im
völkerrechtlichen Niemandsland setzt. Zudem: Wie nachhaltig kann es
sein, einzelne Terroristen zu exekutieren, wenn man dabei zugleich
die Zivilbevölkerung trifft und so den Nährboden für neuen Widerstand
düngt? Mit seinen Killerdrohnen und Geheimoperationen präsentiert
sich der preisgekrönte Friedensfürst längst als gefährlicher
Schattenkrieger.

Pressekontakt:
Neues Deutschland
Redaktion

Telefon: 030/2978-1715