Die Geheimgespräche sind nicht mehr geheim. Kabuler
Regierungsvertreter und Abgesandte der Shura von Quetta und damit des
obersten Kopfs der Taliban, Mullah Mohammed Omar, sollen erstmals
gemeinsam am Verhandlungstisch gesessen haben. Das wäre eine neue
Qualität, seit Präsident Hamid Karsai Anfang des Jahres die
Gotteskrieger zum Dialog aufgerufen hat. In der Vorwoche gab seine
Regierung die Zusammensetzung eines Friedensrates bekannt, der
künftig direkte Gespräche mit den Taliban aufnehmen soll, die sich
jetzt angeblich vom Terrornetzwerk Al Qaida losgesagt haben.
Sollte das Ziel dieser Verhandlungen eine Friedensvereinbarung
samt Abzug der NATO-geführten internationalen Truppen sein, böte sich
tatsächlich eine realistische Chance, den neunjährigen Krieg endlich
zu beenden. Denn auch die jüngste »Großoffensive« der ISAF zeigt,
dass man letztlich nicht in der Lage ist, die Taliban flächendeckend
zurückzudrängen. Wobei eine umfassende politische Lösung auch die
regional so mächtigen Warlords einbinden und die afghanische
Zivilgesellschaft beteiligen müsste. Allen Seiten sollte inzwischen
klar sein: Militärisch ist dieser Guerillakrieg nicht mehr zu
gewinnen. Doch noch stehen die Verhandlungen ganz am Anfang, und es
wäre schon sehr hilfreich, wenn die NATO nicht länger
gesprächsbereite Führungskräfte der Taliban liquidieren würde. Und im
nächsten Schritt so schnell wie möglich abzieht.
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