
Am späten Abend des 22. Februar 1939 verkündeten drei Richter des Militärkollegiums des Obersten Gerichtes der UdSSR mit müden Stimmen und ausdruckslosen Gesichtern ihr Urteil: Todesstrafe mit sofortigem Vollzug. Der Mann, der vor ihnen stand, durch wochenlange Tortur gebrochen, mental ausgelaugt und physisch am Ende, wirkte wie gelähmt. Er fand kaum Worte, um zu protestieren, um gegen die Ungerechtigkeit aufzubegehren, die ihm hier und jetzt widerfuhr, als er von kräftigen Bewachern fortgeschleppt wurde. Wenige Stunden später, es war bereits der 23., wurde er in einem finsteren Loch ohne Fenster erschossen.
So endete der Lebensweg von Aleksandr Kosarev, einem heute weitgehend vergessenen sowjetischen Politiker der Vorkriegszeit, einem Helden der damaligen Jugend, die ihn in ihren Liedern verehrte und seinem Beispiel nachzueifern trachtete.
Anhand von Kosarevs Biografie geht Peter Kaiser der Frage nach, über welche Macht und welche Handlungsspielräume ein Funktionär in der stalinistischen Sowjetunion verfügte.
„Das Schachbrett der Macht“ zeigt Kosarevs Aufstieg an der Seite von Lenin, Stalin, Trotzki, Molotow und Berija bis an die Spitze der sowjetischen Machtpyramide und legt dabei Zeugnis über Politik und Gesellschaft in der stalinistischen Sowjetunion ab.
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Peter Kaiser
Das Schachbrett der Macht
Die Handlungsspielräume eines sowjetischen Funktionärs unter Stalin am Beispiel des Generalsekretärs des Komsomol Aleksandr Kosarev (1929-1938)
1202 Seiten, Paperback. 2017. 59,90
ISBN 978-3-8382-1052-0
Erschienen in: Soviet and Post-Soviet Politics and Society
Erhältlich in jeder Buchhandlung oder direkt bei ibidem.