VON CLAUS LINGENAUBER
Das Kostüm sommerlich weiß, die Haare frisch frisiert, ein
strahlendes Lächeln statt hängender Mundwinkel, keine Spur von
Muffel-Merkel – die Kanzlerin überraschte die versammelte
Hauptstadtjournaille mit einer geradezu offensiven
Gute-Laune-Vorstellung. Sie wirkte alles andere als urlaubsreif, im
Gegenteil, sie sah aus, als sei sie gerade bestens erholt aus den
Ferien gekommen. Angela Merkel, das rätselhafte Wesen, die Sphinx der
deutschen Politik. Denn diese Lockerheit passt so gar nicht zusammen
mit dem derzeitigen Chaos in der Union und dem desolaten Zustand von
Schwarz-Gelb. Gerade erst hat Rot-Grün in einer Umfrage erstmals seit
langem wieder die absolute Mehrheit erreicht. Eigentlich müsste
Merkel Trauer tragen. Doch die Kanzlerin tut so, als gebe es diese
Wirklichkeit nicht, als könne die Koalition trotz Dauerkrachs nach
der Sommerpause neu durchstarten. Ein bisschen Olli Kahn schimmert da
durch: weiter, immer weiter. Oder wie Merkel sagt: Sie wolle auch
künftig Politik machen – und zwar Schritt für Schritt. Große Sprünge
macht man so nicht. Aber vielleicht zeigt sich gerade hier eine der
Stärken Merkels. Sie kann Dinge ausblenden, sie hat einen langen Atem
und offenbar von Kohl gelernt, wie man Probleme aussitzt. Irgendwann
werden die Umfragen auch wieder besser. Bis dahin: Schöne Ferien,
Frau Bundeskanzler!
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