Russland stärker einbinden
Kanzlerin Merkel und Präsident Medwedew übertreiben nicht, wenn
sie die deutsch-russischen Beziehungen in höchsten Tönen loben.
Berlin und Moskau scheinen einen neuen Pragmatismus in der
Zusammenarbeit gefunden zu haben. Jedenfalls erscheinen die
Spannungen durch den Georgien-Krieg oder die national gefärbten
Drohgebärden von Ex-Präsident Putin in diesem deutsch-russischen
Sommer wie aus einer anderen Zeit.
Streitpunkte wie Russlands Menschenrechtspolitik wurden in
Jekaterinburg zwar nicht ausgeklammert. Merkel spricht auch
pflichtgemäß etwa den Mord an der Kremlkritikerin Estemirowa an. Doch
im Vordergrund steht das Machbare. Das bezieht sich zum einen auf
eine Vertiefung der wirtschaftlichen Beziehungen, zum anderen auf die
Bewältigung internationaler Herausforderungen. Ob Klimawandel,
Afghanistan-Krieg oder der Atomstreit mit dem Iran: Deutschland und
Russland teilen auf vielen Konfliktfeldern ähnliche Interessen.
Medwedew scheint auch zunehmend gewillt zu sein, nicht eine
aggressive Politik nationaler Alleingänge zu verfolgen, als wäre das
Reich noch eine Weltmacht. Russland wird im stärker werdenden
Netzwerk globaler Diplomatie eine größere Rolle spielen müssen.
Moskau kann sich dabei der Unterstützung Deutschlands gewiss sein. Es
gilt auch, Russland stärker an die Europäische Union anzubinden, ohne
alte Ängste in Polen und den baltischen Staaten neu zu entfachen.
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