Neue OZ: Kommentar zu Prozesse / Banken / Urteile

Ruhmloser Vorreiter

Herren des Universums, Kasino-Zocker, Selbstdarsteller und
Schönredner: Von dieser Art Bankmanager hat es vor dem Platzen der
US-Immobilienblase allzu viele gegeben. Und leider kaum eine Instanz,
die ihnen Einhalt geboten hat. Das soll sich jetzt ändern, doch
bislang hat sich in Sachen Finanzkontrolle vor allem wegen der
Blockade angelsächsischer Länder international nichts verbessert.

Da passt es ins Bild, dass in den USA, wo in der Finanzkrise die
Banken reihenweise pleitegingen, bislang kein prominenter
Verantwortlicher verurteilt wurde. Stefan Ortseifen, gestern auf
Bewährung aus dem Gericht entlassener Ex-Chef der deutschen
Mittelstandsbank IKB, nimmt daher auch international eine
Vorreiterrolle ein, wenn auch keine rühmliche.

Das verdient Beachtung, zumal sich nach der strafrechtlichen
Verurteilung zivilrechtliche Ansprüche – etwa von irregeführten
Aktionären – gegen den einstigen Vorstandschef leichter durchsetzen
lassen könnten. Dem Steuerzahler, der für das Missmanagement bei der
IKB geradestehen muss, stehen solche Möglichkeiten nicht offen. Bei
ihm überwiegt das Gefühl, dass Ortseifen angesichts des
Milliardenschadens viel zu glimpflich davongekommen ist. Vielleicht
stimmt das sogar. Das sollten der Verurteilte und seine Anwälte
bedenken, wenn sie nun wie angekündigt in die Revision gehen wollen.

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