Neue OZ: Kommentar zu China Grubenunglück

Zu viel Angst

Zwei Monate bangte die Welt um 33 verschüttete chilenische
Bergleute, die glücklicherweise aus fast 700 Meter Tiefe gerettet
werden konnten. Zog das Schicksal dieser Männer die Öffentlichkeit in
ihren Bann, ruft der brutale Alltag in Chinas Minen keinerlei
Proteste hervor. Weder im Land der Mitte selbst noch anderswo. Dabei
sind die offiziellen Zahlen erschreckend: Allein während des
achtwöchigen Chile-Dramas starben in China hochgerechnet mehr als 400
Bergleute. Pekings Statistik weist für 2009 insgesamt über 2600
getötete Minenarbeiter aus. Und es wäre überraschend, wenn die
Neo-Kommunisten diese Zahl nicht geschönt hätten.

Sicherlich: Bergbau ist gefährlich. Unglücke können passieren.
Auch in Deutschland oder in den USA ereignen sie sich. Doch in China
darf man nicht von einem Unglück sprechen. Dafür ist die Zahl der
Todesopfer seit Jahren viel zu hoch. Dort werden mit Vorsatz wichtige
Sicherheitsstandards nicht eingehalten, um Kosten zu senken. Der Tod
des Kumpels wird billigend in Kauf genommen, um Pekings
Wachstumsvorgaben einzuhalten. Dieser Skandal sagt viel über das
Menschenbild der kommunistischen Staatsführung aus, die
offensichtlich einen mörderischen Kapitalismus favorisiert. Chinas
Arbeiter müssten gegen diese unerträglichen Bedingungen vorgehen. Die
Angst, in ein Lager eingesperrt zu werden, ist aber größer als der
Wille zum Protest.

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