Wo die Politik gefordert ist
Für eine europäische Mittelmacht, deren politisches Gewicht auf
dem eigenen Kontinent seit Jahren schwindet, ist das nicht schlecht:
Deutschlands Kanzlerin wird von der chinesischen Führung mit
Aufmerksamkeit überhäuft. Der Grund für so viel Nähe zwischen dem
Exportweltmeister und seinem Vize liegt wesentlich darin, dass sie
sich eher ergänzen als verdrängen. Noch zumindest.
Deutschlands Interesse an China ist sehr groß, unterscheidet sich
aber nicht so sehr von dem der anderen exportstarken Nationen: Es
geht um die gigantischen Märkte, die eine so schnell wachsende
Volkswirtschaft mit so hohen Geldreserven und großem Konsum-Rückstand
verspricht. China dagegen hat ein herausragendes und sehr spezielles
Interesse an Deutschland: Als Welt-Werkbank strebt China nach
besonders schnellem Fortschritt im Anlagen-, Maschinen- und
Fahrzeugbau sowie in der Energietechnik. Also genau in den Bereichen,
in denen deutsche Unternehmen auf dem Weltmarkt dominieren.
Wenn die einen wollen, was die anderen besitzen, ihrerseits aber
auch reichlich anzubieten haben, kann daraus eine stabile
Partnerschaft erwachsen. Faire Spielregeln und einen steten Wechsel
von Geben und Nehmen vorausgesetzt. Das stellt besonders hohe
Anforderungen an Politik, die den Rahmen dafür setzen muss. Daher ist
es eindeutig positiv, dass China und Deutschland ihren politischen
Dialog vertiefen.
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