
1. Positivität ist nicht, wie eine Geschichte beginnt, sondern, wie sie ausgeht
Bei meinem Vortrag über Wohlbefinden bei der Arbeit auf dem Kongress für Positive Psychologie in Budapest gab es danach eine Fragemöglichkeit. Sofort meldete sich eine Professorin aus Kroatien zu Wort. Sie ging direkt zum Angriff über und monierte, dass ich ein Studienergebnis falsch zitiere und kein Interesse an Forschungsarbeit hätte. Ich war völlig perplex und erschrocken. Öffentlich kritisiert zu werden und dann noch so aggressiv, ist unangenehm.
Grundsätzlich habe ich immer so viel Freude bei einem Vortrag, dass dies ein guter emotionaler Schutzschild ist. Doch auch negative Gefühle wie Ärger und Verunsicherung geben uns wertvolle Hinweise. Ich dachte im Anschluss an die Begebenheit über zwei Dinge nach, die ich auch Ihnen empfehle:
1. Habe ich mein Bestes getan?
2. Was kann ich lernen?
Ja, ich hatte mein Bestes getan. Allerdings fand ich den Kongress tatsächlich zu theorielastig. Wir strahlen unbewusst immer aus, was wir denken und fühlen.
Und ich konnte mein Wissen aktualisieren: Besonders ernst nahm ich den Hinweis meiner Kritikerin, dass die Glücksformell 3 : 1 von positiven zu negativen Emotionen für ein gesundes und glückliches Leben von der Forscherin Barbara Fredrickson widerrufen worden war. Ich begann sofort mit der Recherche und fragte außerdem Kollegen. Am Ende stellte sich heraus, dass diese Richtlinie immer wieder in Frage gestellt wird, aber noch als eine Art Minimum gilt.
Diese Überlegungen hätten schon für den positiven Ausgang einer unangenehmen Geschichte gereicht. Doch es kam noch besser. Denn mindestens fünf Kollegen sprachen mich freundlich an, um sich zu bedanken, mir zu sagen, wie wichtig gerade mein Praxisvortrag war, wie ihnen die Art der Präsentation gefallen hat oder dass sie mit mir in Kontakt bleiben wollen.
2. Alles, auch Kritik, hat zwei Seiten
Ich habe vor einigen Jahren für die Zusammenarbeit mit meinem geschätzten Autorenkollegen Dr. Nicolai Worm einen geplanten Buchtitel in seinem Forum getestet und das geerntet, was wir heute „Shitstorm“ nennen. Ich hatte beabsichtigt, das Wort „Psycho“ im Buchtitel zu verwenden und dafür eine Menge Schimpf geerntet. Weil viele Leser mit Psychologen schlechte Erfahrungen hatten. Außerdem wurde mir vorgeworfen, dass ich mir kostenlos Wissen und Erfahrungen der Leser aneignen wolle.
Es macht in dieser Situation überhaupt keinen Sinn darüber zu grübeln, dass die Kritik unangemessen oder ungerecht ist. Besser ist, nach dem Nützlichen darin zu suchen. Ich habe erfahren, dass ich einen bestimmten Begriff nicht verwenden sollte. Dies hat mich davor bewahrt, einen Flop auf dem Buchmarkt zu landen. Damit kommen wir zu einem weiteren guten Werkzeug im Umgang mit Kritik: dem Gedanken, es hätte noch schlimmer kommen können. In meinem Falle dann, wenn ein Buch mit unpassendem Titel im Buchhandel erschienen wäre und anschließend noch viel mehr Leser über den Autor, also mich, hergefallen wären.
3. Schicken Sie Ihr Ego ab und zu in den Urlaub und bauen Sie Stress ab
Vor einigen Wochen habe ich einen Beitrag über die Fußball-WM für das Managermagazin geschrieben. Von Fußball habe ich wenig Ahnung und hatte mir deshalb Hilfe im Freundeskreis geholt. Mich interessierte als Psychologin das Phänomen, dass seit 1962 keine Mannschaft den Titel verteidigt hat. Nachdem ich den Beitrag angeboten hatte, erhielt ich von der Redakteurin eine lange Mail mit Änderungsvorschlägen.
Sicher haben Sie das auch schon einmal erlebt: Sie sind voller Begeisterung für Ihre Idee und werden scheinbar ausgebremst. Meine erste Reaktion wäre beinahe diese gewesen: “wenn Euch mein toller Artikel nicht gefällt, dann lassen wir es eben“. Ich hatte weder Zeit noch Lust auf eine umfassende Überarbeitung. Hier ist meist das „Denkhirn“ für einen Moment ausgeschaltet, weil das „Emotionshirn“ die Regie übernimmt. Wir trennen Person und Sache nicht mehr und vergessen, dass eine Sache durch gemeinsame Überlegungen nur besser werden kann. Kurzum, ein „Egospiel“, das absolut immer schadet. Uns selbst, der Sache und der Beziehung.
Immerhin besann ich mich darauf, dass mir der Beitrag sehr wichtig war und ich mit der Redakteurin in einem Boot sitze. Um für die Leser besonders gute Beiträge zu verfassen. Nachdem ich durchgeatmet hatte, konnte ich die Hilfe dankbar annehmen und am Ende sehen, wieviel besser der Artikel nach den gemeinsamen Überlegungen war.