Der NABU hat Forderungen von Fischerei- und
Anglerverbänden nach einer drastischen Reduzierung der
Kormoranbestände eine deutliche Absage erteilt. Der Deutsche
Fischerei-Verband (DFV) hatte auf dem Fischereitag in München
gefordert, dass die Hälfte aller Kormorane in Deutschland „von der
Bildfläche verschwinden“ solle.
NABU-Präsident Olaf Tschimpke: „Das Comeback des Kormorans an
Küsten, Seen und Flüssen ist trotz regionaler Probleme an
Teichwirtschaften kein Anlass, die Vögel in großem Stil zu verfolgen
und abzuschießen.“ Wer dies fordere, zeige ein rückwärtsgewandtes
Verständnis von Natur und ökologischen Zusammenhängen. Befürchtungen,
der Kormoran würde sich „übervermehren“, seien unbegründet und durch
die gut dokumentierte Bestandsentwicklung der letzten Jahre
widerlegt. Dieser Auffassung habe sich die Bundesregierung bereits im
März in ihrer Antwort auf eine Kleine Anfrage der Fraktion Die Linke
angeschlossen und erklärt, man könne davon ausgehen, dass sich die
Zahl der Kormoran-Brutpaare in den nächsten Jahren nicht weiter
erhöhe, da die Vogelart in Deutschland die Kapazitätsgrenzen ihres
Lebensraumes inzwischen erreicht habe.
Das legitime Interesse von Fischern und Teichwirten zur
wirtschaftlichen Nutzung von Fischbeständen stehe außer Frage. Doch
ein Managementplan, der die Zahl der Vögel halbieren soll, sei der
falsche Weg. Der NABU appelliert an Bundesagrarministerin Ilse
Aigner, stattdessen den von der EU-Kommission eingeschlagenen Weg zu
unterstützen. Danach sollen nur lokal angepasste Lösungen zum Einsatz
kommen, um mögliche Schäden vor Ort abzuwehren. „Umfangreiche
Abschüsse von Kormoranen, wie sie schon heute durch die Verordnungen
vieler Bundesländer möglich gemacht wurden, helfen dagegen weder
Fischen noch Fischern“, so Tschimpke.
Um die Existenz von Teichwirten zu sichern, fordert der NABU
deshalb Bund und Länder zur Unterstützung wirksamer, präventiver
Abwehrmaßnahmen auf. So sollten extensive Teichwirtschaften eine
landwirtschaftliche Grundförderung in Anerkennung ihrer Leistungen
für das Gemeinwohl und den Naturschutz erhalten.
Der NABU verweist in diesem Zusammenhang auf Untersuchungen und
Erfahrungen in Mecklenburg-Vorpommern. Selbst der Abschuss von mehr
als 10.000 Jungvögeln im Jahre 2005 führte dort drei Jahre später –
wenn die überlebenden Vögel erstmals gebrütet hätten – zu keiner
Bestandsabnahme.
Die Ursachen liegen in der Biologie der Vögel: „Kormorane können
Eingriffe in ihre Population in hohem Maße ausgleichen. Ein
Kormoranpaar zieht jährlich zwei bis drei Jungvögel groß, doch
rechnerisch sind schon 0,45 bis 0,50 flügge gewordene Jungvögel pro
Jahr ausreichend, um die Population zu erhalten“, so
NABU-Vogelschutzexperte Markus Nipkow. Erst wenn die Nachkommenzahl
unter diesen Wert fällt, ist ein längerfristiger Bestandsrückgang zu
erwarten. Eingriffe, die bestandswirksam sein sollen, müssten deshalb
einem Vernichtungsfeldzug gleichen, wie er gegen diese Vogelart schon
einmal – vor mehr als 100 Jahren – geführt worden ist. Dieselben
Erfahrungen seien im Übrigen an Möwen gemacht worden, als diese
jahrzehntelang ohne nachhaltigen Effekt auf deren Populationsgröße
vehement bekämpft wurden. Diese Arten gleichen ebenso wie die
Kormorane Verluste durch Abschüsse schnell wieder aus, weil die Vögel
sofort mehr Nachwuchs als sonst üblich produzieren.
Im Internet zu finden unter www.NABU.de
Originaltext vom NABU
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Dr. Markus Nipkow, NABU-Referent für Ornithologie und Vogelschutz,
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