Mobbing gegen Ältere nimmt zu

Bonn – Die Kündigung einer 52-jährigen Texanerin, die sich ihre grauen Haare nicht färben ließ, hat in den vergangenen Wochen die Gemüter erregt. Auch wenn in Deutschland eine derart skandalöse Kündigung rechtlich nicht möglich wäre, verweist Claudia Rutt, Vorstand des GND e.V. – Generationen Netzwerk für Deutschland – darauf, dass auch hierzulande Mobbing gerade Ältere häufig den Arbeitsplatz kostet. „Wir hoffen sehr, dass dieser Trend zurückgeht. Denn die Wirtschaft braucht dringend die Erfahrung und Kompetenzen dieser Generation“, sagt Rutt.

Der GND macht sich stark für die Generation 50+ und bietet Betroffenen Rat und Hilfe durch Experten an. Im konkreten Fall wurde in den USA die Immobilienmaklerin Sandra Rawline von ihrem Ex-Arbeitgeber zum Haare-Färben geschickt, um jugendlicher auszusehen. Rawline weigerte sich und kassierte dafür die Kündigung. Jetzt klagt die Frau aus Houston (Texas) vor Gericht auf Schadenersatz.

Der Fall ist extrem. Eine Ausnahme ist er leider nicht. Auch in Deutschland werden immer wieder Menschen am Arbeitsplatz speziell aufgrund ihres Alters gemobbt. Hanne Schweitzer vom „Büro gegen Altersdiskriminierung“ in Köln erzählt von einer Frau, die „als Angestellte ausgemustert wurde und zwei Jahre in einem Räumchen sitzen musste“, weil die Bank sie aufgrund ihres Alters gerne entlassen hätte, aber keinen Grund dafür fand. Martina Perreng vom Deutschen Gewerkschafts-Bund (DGB) weiß von Verkäuferinnen, denen der Chef sagte, sie seien jetzt zu alt für die Beratung in einer Boutique.
GND-Expertin Claudia Hanisch kennt die Szene. Sie zitiert aus dem Mobbing-Report der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin: „Mobbing gibt es in allen Berufsgruppen, Branchen und Betriebsgrößen sowie Hierarchiestufen und Tätigkeitsniveaus.“ Mit 5,5 Prozent aller Beschäftigten (über zwei Millionen Menschen) liegt die Zahl derer, die sich in Deutschland am Arbeitsplatz gemobbt fühlen, über dem europäischen Durchschnitt! Die Datenbank der Anti-Diskriminierungsstelle des Bundes in Berlin registriert allein rund 80 Fälle, in denen Menschen wegen ihres Erscheinungsbildes benachteiligt wurden.

Von Walter Warnecke