Die mittelständischen deutschen Unternehmen sind derzeit in einer
blendenden Verfassung. Nach der schwersten Rezession seit dem zweiten
Weltkrieg schätzen inzwischen wieder über 80 Prozent aller
Mittelständler ihre Lage als gut oder sogar sehr gut ein. Dies
ermittelte die DZ BANK in ihrer aktuellen Mittelstandsumfrage.
Allerdings macht der zunehmende Fachkräftemangel den Mittelständlern
bereits jetzt deutlich stärker zu schaffen als beim vorangegangenen
Aufschwung. So klagen annähernd ein Drittel aller Unternehmen
darüber, dass sie derzeit offene Stellen nicht besetzen können. Um
den Mangel an qualifizierten Mitarbeitern zu beheben schlagen ähnlich
viele Mittelständler unter anderem Zuzugserleichterungen für
ausländische Fachkräfte vor. Über 11 Prozent der Betriebe rekrutieren
zudem bereits Fachkräfte im Ausland; in der Elektroindustrie sind es
sogar über 20 Prozent.
Konkret gaben in der repräsentativen Studie, für die die DZ BANK
über 1500 Mittelständler befragt hat, 71 Prozent aller Unternehmen
an, dass ihre Geschäftslage zurzeit gut sei, 9 Prozent bezeichneten
sie sogar als sehr gut. Lediglich 5 Prozent beurteilten ihre aktuelle
Situation als schlecht, 15 Prozent waren der Meinung, sie sei eher
schlecht. Damit hat sich der Lagebeurteilung noch stärker verbessert
als bei der vorangegangenen Umfrage, die die DZ BANK vor einem halben
Jahr durchgeführt hatte. Damals hatten noch 66 Prozent der
Unternehmen ihre Situation als gut bzw. sehr gut bezeichnet, 34
Prozent hatten sie negativ beurteilt. Tatsächlich ist die
Stimmungslage in der mittelständischen Wirtschaft inzwischen wieder
nahezu auf die Rekordwerte gestiegen, die sie in den Jahren 2007 und
Anfang 2008 hatten. Dies gilt insbesondere auch für die großen
Mittelständler mit über 200 Beschäftigten. 86 Prozent von ihnen
schätzen ihre aktuelle Lage positiv ein.
Etwas vorsichtiger als vor einem halben Jahr beurteilen die
Unternehmen allerdings ihre zukünftigen Geschäftserwartungen. Diese
bleiben aber auf einem sehr hohen Niveau. So gehen 45 Prozent der
Unternehmen davon aus, dass sich ihre Geschäftslage innerhalb der
nächsten sechs Monate verbessern wird, und lediglich 9 Prozent
erwarten eine Verschlechterung. Im Frühjahr waren noch 51 Prozent von
einer Verbesserung und ebenfalls 9 Prozent von einer Verschlechterung
ausgegangen.
„Diese Zahlen bestätigen unsere Auffassung, dass die deutsche
Wirtschaft weiter wachsen und die Arbeitslosenzahl sinken wird“,
kommentiert Dr. Hans Jäckel, Leiter Volkswirtschaft der DZ BANK.
„Allerdings glauben wir, dass das Wachstum nicht ganz so stark
ausfallen wird, wie die Mittelständler offensichtlich erwarten.“
Neueinstellungen geplant
Die positiven Prognosen schlagen sich auch in der Personalplanung
nieder. Knapp ein Viertel der Unternehmen will innerhalb der nächsten
sechs Monate seinen Personalbestand erhöhen, unter den Betrieben mit
mehr als 100 Beschäftigten sind es sogar rund 30 Prozent. Dagegen
gehen lediglich 9 Prozent von einer sinkenden Mitarbeiterzahl aus.
Den Personalplänen der Unternehmen steht allerdings ein markanter
Fachkräftemangel im Wege. Obwohl die Konjunkturerholung noch in einer
relativ frühen Phase ist, ist dieser bereits jetzt erheblich
gravierender als beim vorangegangenen Aufschwung vor rund fünf
Jahren.
Fachkräftemangel trifft besonders große Mittelständler
Ein Viertel des Mittelstands erklärte in der DZ BANK Umfrage, dass
der Fachkräftemangel heute größer sei als damals. Dagegen vertraten
nur knapp 11 Prozent die Meinung, dass der Mangel an qualifiziertem
Personal weniger gravierend sei als beim vorangegangenen Aufschwung.
Die generelle Lageeinschätzung wird durch weitere Zahlen untermauert.
So erklären über 27 Prozent der Unternehmen, sie seien vom
Fachkräftemangel stark betroffen, und 29 Prozent der Befragten können
aktuell offene Stellen nicht besetzen. Dabei klagen insbesondere
Betriebe aus der Stahl-, der Elektro- und der Baubranche über das
Problem. Am schwierigsten ist die Situation insgesamt für die großen
Mittelständler mit mehr als 200 Beschäftigten. 41 Prozent von ihnen
sagten, sie seien vom Fachkräftemangel stark betroffen, und noch mehr
– 45 Prozent – können derzeit offene Stellen nicht besetzen.
Branchen- und größenübergreifend ist der Fachkräftemangel
insbesondere in den Bereichen Produktion und Vertrieb akut. Auch der
Bereich Forschung und Entwicklung leidet überproportional.
„Um den Fachkräftemangel zu beheben sind allein schon aufgrund der
demographischen Entwicklung langfristige Lösungen nötig. Er muss aber
auch kurzfristig angegangen werden, sonst wird es sich negativ auf
die weitere Konjunkturentwicklung auswirken“, betont Jäckel. Immerhin
erklären bereits jetzt 23 Prozent der Unternehmen mit nicht besetzten
Stellen, dass sie aufgrund des Fachkräftemangels Aufträge ablehnen
mussten. Unter den großen Mittelständlern war es sogar schon rund ein
Drittel.
11 Prozent der Unternehmen suchen bereits aktiv Fachkräfte im
Ausland
Einen Lösungsansatz, um den Facharbeitermangel zu beheben, sehen
die Mittelständler in erleichterten Zuzugsmöglichkeiten für
ausländische Mitarbeiter. Rund ein Drittel aller Befragten plädiert
dafür. Gleichzeitig erklärten immerhin 11 Prozent der Betriebe, dass
sie aktiv neue Fachkräfte im Ausland rekrutieren. Unter den
Mittelständlern der vom Fachkräftemangel besonders betroffenen
Elektroindustrie sind es sogar 21 Prozent. Damit ist die aktuelle
Integrationsdebatte für viele Mittelständler ein relevantes Thema.
Allerdings ist der verstärkte Einsatz ausländischer Fachkräfte nur
ein Punkt eines umfassenden Lösungsbündels, das viele der politischen
Debatten in Deutschland betrifft. So vertreten neun von zehn
Mittelständlern die Auffassung, dass zur Behebung des
Fachkräftemangels besser ausgebildete Schulabgänger nötig seien.
Damit greifen so gut wie alle Unternehmen eine seit Jahren erhobene
Forderung der Wirtschaft auf. 84 Prozent sehen sich zudem in Form von
hochwertigeren Weiterqualifizierungsprogrammen selbst in der Pflicht.
Jeder zweite plädiert für eine bessere Kinderbetreuung, und knapp 30
Prozent machen sich auch für eine Kürzung von Altersteilzeit und
Frühverrentung stark. Ebenso viele sprechen sich für eine Aufhebung
der Altersgrenzen für Mitarbeiter aus – sie wollen damit verstärkt
das Know-how der älteren Fachkräfte nutzen.
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Sylke Grußendorf, Pressesprecherin der DZ BANK AG
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