Auf dem Holzweg
Fast eine Milliarde Euro Schulden hat die Pfleiderer AG angehäuft.
Wachstum um jeden Preis war offensichtlich die falsche Strategie. Von
der Rheinflößerei in Heilbronn stieg das Unternehmen in Neumarkt bis
in die 80er-Jahre unter Ernst Herbert Pfleiderer zu einem Marktführer
im Bereich Holzwerkstoffe und Verkehrstechnik auf. Doch von den 11
200 Mitarbeitern, die der Konzern 1997 beschäftigte, sind nur noch
5600 übrig. An der Börse holte man sich 1997 das notwendige Kapital,
um neue Geschäftsfelder zu erobern und Wettbewerber aufzukaufen. Um
die Jahrtausendwende rettete nur ein Kurswechsel den Konzern vor dem
Ruin und Pfleiderer konzentrierte sich wieder auf seine
Kernkompetenz. Doch unter dem neuen Vorstandschef Overdiek gab es nur
eine Devise: Expansion. Es folgten Ãœbernahmen, der Aufbau von
Kapazitäten in den USA und Russland. Leider auf Pump: Als 2008 die
Konjunktur einbrach, entpuppte sich Overdiecks Kurs als Holzweg. Ãœber
die neue Marschroute wird im März entschieden. Dann endet das
Stillhalteabkommen mit den Banken und der Vorstand muss sein
Zukunftskonzept vorlegen. Es könnte Insolvenz heißen. Die Tatsache,
dass führende Köpfe ihre Aktien abstoßen und der Aufsichtsrat
zerfällt, spricht dafür.
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