Mit Digitalisierung dem Coronavirus trotzen

Nicht nur seit der Wirtschafts- und Finanzkrise im Jahr 2008, spätestens mit Ausbreitung des Coronavirus ist nun offensichtlich, dass 2020 die gesamte globale Industrie vor neuen Herausforderungen stellt und die Digitalisierung noch stärker in den Fokus rückt.

Gerade die Unternehmen samt ihrer Wertschöpfungskette tragen die wirtschaftlichen Auswirkungen der Pandemie. Um die Gesundheit ihrer Mitarbeiter nicht weiter zu gefährden, haben nach ersten Infektionsfällen einige Großunternehmen und DAX-Konzerne einen Teil ihrer Belegschaft oder einzelne Fachbereiche vorsorglich in häusliche Quarantäne geschickt. Viele andere, darunter auch kleine und mittelständische Unternehmen (KMU), fürchten die gleichen Sicherheitsvorkehrungen treffen zu müssen. Doch im Gegenzug zu den großen, sind viele KMU im Extremfall für ein Arbeiten im Homeoffice technologisch nicht aufgestellt. Um diese Lücke auszugleichen, müssen KMU schnell reagieren und erste technische Maßnahmen ergreifen, vor allem im Bereich der Digitalisierung.

Die Mittelständler als der treibende Wirtschaftsmotor beschäftigen mehr als die Hälfte aller Arbeitsplätze in Deutschland. Laut dem Mittelstandsbericht 03/2019 des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie erwirtschaften KMU zudem rund 35 % des gesamten Umsatzes der Unternehmen in Deutschland.

Leider laufen viele dieser KMU derzeit noch erfolglos hinterher, den physischen Kontakt zu Lieferanten, Vertriebspartner oder Kunden auf digital umzustellen. Viele Unternehmer haben große Vorbehalte oder scheuen gar die erzwungene Digitalisierung. Klar ist es nicht möglich, von heute auf morgen den Hebel von analogem Verkauf auf Digital Sales umzulegen. Jedoch bieten ihnen digitalisierte Prozesse, etwa zu Beschaffung, Einkauf, Auftragsbearbeitung, Marketing, Verkauf und Service, unzählige Möglichkeiten, das Face-to-Face zu Produzenten, Händler und Auftraggeber zu ersparen. Die Corona-Krise deckt nun nicht nur Abhängigkeiten, sondern auch schonungslos Defizite auf, die dringend behoben werden müssen, damit das angestrebte Online-Business endlich fest ins Tagesgeschäft der KMU eingebunden wird. So können etwa autarke und kostengünstige Tools für Videokonferenzen und Online-Präsentationen als Ersatz für teure und aufwendige Besprechungen vor Ort genutzt und ins bestehende CRM-System eingebunden werden.

Gerade die Kommunikation und der Kontakt mit Kunden kann über Online-Marketing stark intensiviert werden und neue Online-Verkaufsmöglichkeiten mit neuen Online-Kundenerlebnissen eröffnen. Etwa die Produktvorstellung in kurzen Videos, We-Chat-Live Streamings zur Beratung, Video-Konferenzen zu Verkaufsgesprächen, Online-Konfigurator mit Online-Shop wie auch Online-Aftersales-Terminbuchungen oder weitere digitalisierte Serviceangebote können schnell umzusetzende Maßnahmen sein – auch mit knappen Budgets und bei eingeschränkten Ressourcen.

Aus unserer Sicht wurde die Digitalisierung bei den KMUs bislang zu zaghaft vorangetrieben. Das Virus wird daher zum Change-Beschleuniger mit Blick auf die Digitalisierung. Es ist also keineswegs zu spät, Versäumtes nachzuholen und Prozesse, Abläufe und Strukturen zügig zu digitalisieren. Die Kosten für Anschaffung und Implementierung Cloud-basierter Lösungen mit Mehrfachzugriffmöglichkeiten auch von unterwegs sind innerhalb eines Jahres wieder drin.

Die bittere Pille für KMU ist, dass sie die Auswirkungen des Coronavirus noch lange spüren werden, selbst wenn es zeitnah eingedämmt werden sollte. Wenn sie ihre Angebote und Leistungen jedoch zwischenzeitlich schnellst- und bestmöglich digitalisieren und in ihr Tagesgeschäft fest einbinden, hält dieser bittere Nachgeschmack hoffentlich nicht allzu lange an.