Mit der eigenen Wortwahl ins Aus geschossen

Mit der eigenen Wortwahl ins Aus geschossen

Jede Aussage unterliegt im Gehirn des Empfängers einem meist unbewussten Bewertungsprozess. Neben dem Vergleich mit eigenen Erfahrungen und Erlebnissen stellt sich der Zuhörer die Frage: „Was habe ich damit zu tun?“. Erst wenn diese Frage zufrieden stellend beantwortet ist, stellt sich eine wohlwollende und grundsätzlich positive Haltung zum Gesprächspartner ein.

In seiner Stellungnahme vom 2. August 2010 formuliert der Duisburger Bürgermeister Adolf Sauerland vor allem absenderorientiert. Das bedeutet, die Wörter „ich“, „mir“, „meiner“ und „mich“ fallen überdurchschnittlich oft: „Dieses Unglück wird auch mich mein Leben lang nicht mehr los lassen. Für mich steht fest: Ich werde mich meiner Verantwortung uneingeschränkt stellen – der persönlichen wie der politischen.“ Konkret bedeutet das, Sauerland beschreibt zu 7/8 sein eigenes Empfinden und richtet sich lediglich zu 1/8 an Leser, Opfer und Hinterbliebene.

Verglichen mit der Trauerrede der nordrhein-westfälischen Ministerpräsidentin Hannelore Kraft vom 31.07.2010, wird der Unterschied deutlich: Während Kraft nur ein Drittel der Worte aus ihrer persönlichen Perspektive formuliert, spricht sie den Bürgern mit empfängerorientierten Botschaften mitten ins Herz: „Sie haben andere aufgerichtet, damit sie nicht hinfielen. Sie haben andere gestützt, denen die Kraft zum Stehen fehlte.“ Hierbei ist irrelevant, wer genau mit „sie“ gemeint ist. „Sie-Botschaften“ werden in der Multi-Level-Kommunikation vom Zuhörer unbewusst grundsätzlich als persönliche Ansprache bewertet.

Hinzu kommt, dass Kraft das Gemeinschaftsgefühl innerhalb der Gesellschaft mit „Wir-Formulierungen“ unterstützt: „Als Land Nordrhein-Westfalen werden wir allen Betroffenen, die Unterstützung benötigen, schnell und unbürokratisch helfen. Aber wir wissen auch, wir können Ihren Schmerz nicht ermessen und nicht lindern.“ Somit unterstützt sie das Gefühl, alle würden „in einem Boot sitzen“. Stellt man die Gemeinschafts- und empfängerorientierten Formulierungen den absenderorientierten Botschaften gegenüber, so ergibt sich ein Verhältnis von 2/3 zu 1/3. Die Botschaft kam beim Volk an.
Unabhängig vom Inhalt der Veröffentlichungen erwecken die Worte von Adolf Sauerland beim Bürger ein Gefühl von Egoismus und fehlender Sensibilität. Die Menschen fühlen sich nicht „abgeholt“ und die Rufe nach einem Rücktritt des Bürgermeisters werden immer lauter. Für die Kommunikation mit anderen Menschen können wir daraus lernen und zukünftig besonderes Augenmerk auf den empfängerorientierten „Sie-Stil“ legen. Nehmen Sie bewusst die Perspektive Ihres Zuhörers ein. So werden Sie optimal verstanden. Barack Obama wusste, dass „Yes I can“ nicht halb so viel Wirkung erzeugt wie „Yes We can“.