Von Christoph Pepper
Auch wenn Barrack Obama gar nicht zur Wahl stand: Dieser
Denkzettel galt ihm persönlich. Die deftige Niederlage der Demokraten
bei den Kongresswahlen nur zwei Jahre nach dem triumphalen Einzug des
ersten schwarzen Präsidenten ins Weiße Haus ist zwar historisch nicht
ohne Vorläufer, markiert gleichwohl aber einen Absturz
sondergleichen. Aus Vorfreude wurde Enttäuschung: Gemessen an den
geradezu inbrünstigen Heilserwartungen vieler seiner Anhänger,
gemessen an der weit in die amerikanische Gesellschaft
hineinreichenden „Yes, we can“-Euphorie, gemessen auch an den nicht
gerade zurückhaltenden „Change“-Versprechen war die wirtschaftlich
düstere und politisch wenig verheißungsvolle Realität des Jahres 2010
eben kaum geeignet, Begeisterung zu wecken. Hinzu kam eine knallharte
Fundamentalopposition der selbst von ihrem eigenen rechten Rand unter
massiven Druck gesetzten Republikaner. Die konnten das für ihre
Niederlage 2008 verantwortliche Bush-Erbe mit nahezu hysterischem
Kriegsgeschrei erfolgreich vergessen machen. In der Folge erscheint
das Land gespaltener denn je. Zwar erwarten viele Experten nun einen
Zwang zur Zusammenarbeit, bei dem auch die Republikaner Verantwortung
übernehmen müssen, während wiederum Obama von weiteren Großreformen
Abstand nehmen dürfte. Doch zu nah ist bereits der nächste
Präsidentschaftswahlkampf 2012, zu verbohrt die fundamentalistische
Tea-Party-Bewegung, als dass man sich realistisch etwas anderes als
erbitterte Feindschaft zwischen den beiden politischen Lagern
vorstellen könnte. Für die USA bedeutet das in den kommenden zwei
Jahren wohl zunehmende innenpolitische Konfrontation, womöglich bis
hin zur Lähmung. Außenpolitisch wird sich die Welt aber gerade
deshalb darauf einrichten können, dass die nationalen Interessen der
USA etwa in Sachen Wirtschaftspolitik oder Klimaschutz künftig noch
stärker akzentuiert werden als ohnehin schon.
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