
Glaubt man aktuellen Marktanalysen wie dem vom IT-Branchenverband BITKOM herausgegebenen Cloud Monitor 2014 1), so beschäftigten sich auch hier in Deutschland immer mehr Unternehmen mit dem Thema Cloud Computing, die NSA-Affäre hemmt diesen Aufwärtstrend allerdings und nährt insbesondere die Vorbehalte gegenüber so genannten „Public Cloud“-Angeboten. Im nachfolgenden Interview nimmt Michael Schimanski, Geschäftsführer PROGTECH GmbH und Cloud Computing-Experte, Stellung zum aktuellen Marktgeschehen in Deutschland und den unterschiedlichen Cloud-Modellen. Mit BAYERN BACKUP bietet das Unternehmen selbst einen Cloud-basierten Backup-Service an.
Frage: Cloud Computing in Deutschland heißt durch die NSA-Affäre gebremster Aufwärtstrend – so lassen sich aktuelle Marktanalysen wie der im Frühjahr vom BITKOM vorgestellte Cloud Monitor 2014 wohl am besten zusammenfassen. Wie fällt Ihre aktuelle Marktanalyse aus?
Schimanski: Unsere Erfahrungen decken sich mit den aktuellen Marktstudien. Das Interesse auf Anwenderseite zum Thema Cloud Computing wächst kontinuierlich, allerdings ist immer noch eine ganze Menge Ãœberzeugungsarbeit notwendig, um Anwender insbesondere in der Zielgruppe kleine und mittlere Unternehmen (KMUs) von einem „Gang in die Wolke“ zu überzeugen. Dies liegt zum einen auch an der bereits angesprochenen öffentlichen Diskussion zum Thema NSA und PRISM, zum anderen stellen wir aber immer wieder fest, dass die verschiedenen Begrifflichkeiten und Fachausdrücke gerade bei Nicht-IT-Experten für Verwirrung sorgen.
Frage: Dann lassen Sie uns doch gleich einmal auf einige dieser Fachbegriffe eingehen. Ich denke, die ersten Begriffe, auf die ein Anwender stößt, wenn er sich mit dem Thema Cloud Computing beschäftigt, sind die Begriffe Public Cloud, Private Cloud und Hybrid Cloud. Können Sie diese Begriffe kurz erklären?
Schimanski: Gerne. Eine Public Cloud-Anwendung kennen wahrscheinlich die meisten von uns, denn sie nutzen sie, wenn sie einen E-Mail-Service wie Web.de, GMX oder Googlemail nutzen. Bei dieser Art von Cloud Service greifen alle Anwender über das offene Internet und eine Portalseite auf den Dienst zu. Der Betreiber muss sich nun natürlich darum kümmern, dass jeder Anwender nur auf seine eigenen Daten zugreift, bzw. dass diese Daten vor dem Zugriff Dritter geschützt bleiben. Das Gegen-Konzept dazu ist die so genannte „Private Cloud“. In diesem Fall wird für ein einzelnes Unternehmen eine nach außen hin geschützte „private Wolke“ aufgebaut und betrieben. Gerade für Großunternehmen ist dieses Konzept nicht wirklich neu, denn diese Unternehmen haben bereits in der Vergangenheit ähnliche Konzepte in ihren Rechenzentren verfolgt.
Darüber hinaus gibt es mittlerweile eine Reihe von Spezialdienstleistern, die Unternehmen beim Aufbau und Betrieb von Private Clouds unterstützen. Für kleine Unternehmen wird dieses Konzept aus Komplexitäts- und Kostengründen aber nur selten realisierbar sein.
Und die Hybrid Cloud bietet dann eine Mischform zwischen öffentlicher und privater Wolke. Diese Betriebsform kann gerade im Backup- und Recovery-Umfeld eine attraktive Variante sein, wenn Unternehmen aus Gründen der Datenreplikation ihre Daten sowohl intern in einer Private Cloud als auch extern bei einem Cloud Backup-Provider sichern möchten.
Frage: In welchen Cloud Betriebsmodellen bieten Sie Ihren eigenen Cloud Service an und welches Betriebsmodell ist Ihrer Meinung nach für welche Unternehmen geeignet?
Schimanski: BAYERN BACKUP kann in allen drei Cloud-Betriebsmodellen – public, private, hybrid – betrieben werden, wir überlassen die Entscheidung da voll und ganz dem Kunden. Für den Public Cloud-Betrieb sprechen in der Regel Kostengründe, eine Private Cloud macht dann Sinn, wenn bereits IT-Ressourcen und entsprechendes Knowhow vorhanden sind und Unternehmen spezielle Sicherheitsvorgaben erfüllen müssen, die eine externe Speicherung von Daten nicht zulassen. Für die Hybrid Cloud spricht das bereits angesprochene Szenario der Datenreplikation.
Weitaus wichtiger bei der Entscheidung für einen Cloud Service ist meiner Meinung allerdings die Frage, wo der Provider die Anwenderdaten speichert. Die aktuelle Diskussion um NSA und PRISM zeigt ja, dass es für unternehmenskritische Daten wenig sinnvoll ist, diese einem international tätigen Dienstleister mit Rechenzentrumsstandorten auf der ganzen Welt anzuvertrauen. Aus diesem Grund speichern wir alle BAYERN BACKUP-Kundendaten auf Servern in zertifizierten Rechenzentren in Deutschland. Als in Deutschland ansässiges Unternehmen unterliegen wir den strengen Vorgaben des Bundesdatenschutzgesetzes und bieten darüber hinaus einen lokalen Service und Support, der sich um alle Belange unserer Kunden kümmert.
Vielen Dank für das Gespräch!
1) http://www.bitkom.org/de/markt_statistik/64086_78524.aspx
Bildrechte: PROGTECH GmbH
Bildrechte: PROGTECH GmbH
Weitere Informationen unter:
http://www.grohmann-business-consulting.de