
Weltberühmt ist die Geschichte von Robinson Crusoe, der als Schiffbrüchiger rund zwei Jahrzehnte auf einer Südseeinsel gefangen ist. Was sich zunächst als spannender Abenteuerroman mit Happy End liest, stellt sich bei genauerem Hinsehen als mühsamer Überlebenskampf dar.
Marlen Haushofer hat das Szenario 1963 in die moderne Welt übertragen. Im Roman Die Wand wird schnell deutlich, welche fast übermenschlichen Anstrengungen es kostet, auf sich allein angewiesen zu sein und das Überleben zu sichern.
Auch in der Version in Einfacher Sprache ist genügend Raum, um philosophische Fragen aufzuwerfen und unsere Gesellschaft kritisch zu hinterfragen:
In der Stadt lebt man immerzu in größter Hast.
Und das Jahr für Jahr.
Im Wald geht das nicht.
Kein Mensch kann lange in größter Hast
bergsteigen oder Kartoffeln ernten.
Man muss sich seine Kräfte gut einteilen.
Heute beeile ich mich nicht mehr bei dem,
was ich tue. Ich bewege mich ohne jede Hast.
Früher war ich immer in Eile, immer ungeduldig.
Ich frage mich, warum eigentlich.
Die Welt der Menschen und Dinge
Ist mir ja sowieso fremd geblieben.
Nur die Bücher, die habe ich geliebt.
Die Bücher vermisse ich.
Die Wand hat beim Publikum und in der Kritik viel Beachtung gefunden. Vor wenigen Jahren ist der Stoff von Julian Pölsler wieder aufgegriffen und unter dem gleichen Namen verfilmt worden.
Martina Gedeck erhielt für ihre Rolle im Solostück den deutschen Filmpreis 2012.