Libyen: Türkische Regierung gibt Widerstand gegen NATO-Einsatz auf

Die türkische Regierung unter dem Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdo?an hat am Donnerstagabend ihren Widerstand gegen die Führung des Libyen-Einsatzes durch die NATO aufgegeben. Die Türkei hatte zuvor tagelang Widerstand gegen die westliche Intervention in Libyen geleistet und mehrfach ihre Position dazu geändert. Ausschlaggebend dafür waren Wirtschaftsinteressen des Landes und internationaler Druck. Türkische Investoren haben insgesamt 15 Milliarden Euro in Libyen investiert, was einen wesentlichen Aspekt der türkisch-libyschen Beziehungen ausmacht. Der Ministerpräsident steht außerdem unter Druck durch die am 12. Juni dieses Jahres stattfindenden Parlamentswahlen in der Türkei. Die ablehnende Haltung Erdo?ans gegenüber einem westlichen Militäreinsatzes, bediente die Erwartungen der türkischen Wähler, die unter dem Eindruck der britisch-französischen Besatzung nach dem Ersten Weltkrieg traditionell interventionskritisch eingestellt sind. Darüber hinaus sieht sich die Türkei oft vor die Wahl gestellt, sich zwischen der Position des Westens und der der arabischen Welt entscheiden zu müssen, weshalb die türkische Regierung nicht leichtfertig einer Militärintervention in einem arabischen Staat zustimmte. Nachdem die USA und auch Saudi Arabien Druck auf Erdo?an ausgeübt hatten, und die türkische Gewichtung der Wirtschaftsinteressen modifiziert wurde, änderte sich die türkische Position hin zur Zustimmung. Der türkische Außenminister Ahmet Davutoglu teilte das türkische „Ja“ in einem Telefonat mit den USA, Frankreich und Großbritannien mit. Brüsseler Diplomatenkreisen zufolge, könne die NATO „Montag oder Dienstag“ kommender Woche das Kommando in Libyen übernehmen.