Libyen: Gaddafis Truppen greifen Rebellen in Misrata an

Die Truppen des libyschen Machthabers Muammar al-Gaddafi haben am Freitag in einem der schwersten Angriffe der seit etwa zwei Monaten andauernden Kämpfe zwischen Regierung und Rebellen die Hafenstadt Misrata angegriffen. Mit Panzern und Artillerie rückten die Truppen in die von Protestanten besetzten Stadtteile vor. Zuvor hatte ein Hubschrauber trotz des von den Vereinten Nationen (UN) verhängten Flugverbots mehrere Stunden über der Stadt gekreist, im Anschluss daran waren Teile Misratas mit Raketen beschossen worden. Augenzeugen berichteten von acht Leichen, die in ein Krankenhaus eingeliefert wurden. Die genaue Zahl der Opfer des Angriffs ist indes unklar. Gaddafi war am Donnerstag im libyschen Staatsfernsehen zu sehen gewesen. Der Machthaber stand in nach Angaben des Senders aktuellen Aufnahmen mit Sonnenbrille und Hut in einem offenen Geländewagen und fuhr mit erhobener Faust durch die Straßen der Hauptstadt Tripolis. Unterdessen haben die USA, Frankreich und Großbritannien erklärt, ihr Engagement in Libyen aufrecht zu erhalten. Man werde auch einen längeren Konflikt bis zum Ende durchstehen, hieß es in einem gemeinsam formulierten und am Freitag veröffentlichten Brief. Der Diktator müsse „weg und zwar für immer“, so die Staatschefs. Russland forderte hingegen ein Ende des Kampfeinsatzes. Man könne das Land nicht bombardieren und im Anschluss Verhandlungen aufnehmen, erklärte der russische Außenminister Sergej Lawrow bei einem Nato-Treffen seiner Amtskollegen in Berlin. Nach Meinung Lawrows solle umgehend ein politischer und diplomatischer Prozess aufgenommen werden.