Die Figuren des israelischen Satirikers, geboren in Ungarn 1924 kannte jeder: Freund Jossele, »die beste Ehefrau von allen«, den Theaterkritiker Kunstetter, Presslufthammer-Narr Blaumilch. Ephraim Kishons satirisches Stammpersonal ist seit den sechziger Jahren fester Bestandteil des (west-deutschen) Kulturguts, woran die Ãœbersetzungen von Friedrich Torberg, dem Erfinder der »Tante Jolesch«, maßgeblichen Anteil hatten. Als Wiener besaß er das Sensorium für Kishons mitteleuropäischen Humor, den dieser in die orientalische Szenerie Israels verpflanzte. »Lieben Sie Kishon?« fragte die ARD 1976 in zwanzig Folgen. Wie Heinz Sielmann und Bernhard Grzimek durch das Fernsehen zu Instanzen für die Erläuterung der Fauna wurden, nahm Kishon – neben Loriot – diese Funktion bei der Analyse des Bestiarium Humanum ein.
Kishons »Familiengeschichten« ist nach der Bibel das meistverkaufte hebräische Buch der Welt.
Vor allem seinen unzähligen jungen Lesern hat er die Augen für das absurde Treiben der Erwachsenen geöffnet. Nichts, so lehrte er uns, ist wie es scheint: Hässliche Kindermädchen verwandeln sich in Sexgöttinnen, Väter kollabieren als Schwimmlehrer, Bürokraten sind tendenziell wahnsinnig, und US-Präsident Nixon fürchtete nichts mehr als Golda Meirs überdimensionale schwarze Handtasche, glaubt man der Satirensammlung »Salomos Urteil, zweite Instanz«. Einen guten Überblick findet man unter http://www.ephraimkishon.de/Kishon.htm
»Wir sind ein kleines Land, das in seiner Umgebung lauter Feinde und in der Ferne nur äußerst zurückhaltende Freunde hat«, erläuterte er einmal seiner Umgebung, »deshalb müssen wir von Zeit zu Zeit überraschende Maßnahmen ergreifen. So haben wir in bedrängter Lage eine 74-jährige Großmutter als Ministerpräsidentin eingesetzt und schicken sie zu den Führern der freien Welt. Die sollen dann sehen, wie sie mit der alten Dame fertig werden.«
Ephraim Kishon, der am 23. August 1924 in Budapest als Ferenc Hoffmann zur Welt kam, und aus einer ungarisch-jüdischen Familie stammte.
Lucas Kret: „Erst mit dem Abstand einiger Jahre können wir erahnen, wie es um die Seele und die Identität solcher Menschen wie Kishon gestanden haben muss. Als ganz junger Mann konnte er 1944 aus einem Gefangenentransport fliehen, große Teile seiner Familie starben in dem Vernichtungslager Ausschwitz. Kaum sind die Nazis besiegt, treibt der Kommunismus nach einem Aufenthalt im Gulag Kishon aus dem Land. Er flieht und wandert nach Israel aus. Doch kehrt er zurück und lebt lange in Appenzell in der Schweiz; er kommt zu wirtschaftlichem Wohlstand. Seine Sprachkunst und seine Beobachtungsgabe machen ihn zu einem viel gelesenen und viel gedruckten Autor.“
Lucas Kret gibt im Besonderen zu bedenken, dass von Kishon überliefert ist, dass er es absonderlich fand, dass die Enkel seiner Henker bei seinen Lesungen Schlange standen!
Wie viel Lebenslust, wie viel Kraft und Mut und Liebe zum Menschen gehört dazu nicht völlig zu verzweifeln und in deutscher Sprache zu arbeiten.
Mit der Parodie »Mein Kamm« gewann Kishon bereits 1947 den ungarischen Romanwettbewerb. »Dr. Kaltenbrunner« hieß sein geliebtes schweres Motorrad aus österreichischer Produktion, mit dem er nach seiner Flucht aus Ungarn im Kibbuz vorfuhr. Lucas Kret zum Zitat: „Seine Bitterkeit war kreativ und »Die Juden sind ein lästiges Volk. Wenn sie allerdings nicht so lästig wären, dann wären sie vielleicht kein Volk mehr. «“
„Aus heutiger Sicht erscheint es kleinmütig von der deutschen Öffentlichkeit in den siebziger oder achtziger Jahren Kishon als rechts eingestuft zu haben“, so Lucas Kret. In den Nachrufen nach seinem Tod im Jahre 2005 ist viel von Freimütigkeit die Rede. Vielleicht musste ein Mann wie Ephraim Kishon nicht schweigen, sondern klar sprechen.
V.i.S.d.P.:
Lucas Kret
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