Lausitzer Rundschau: Zu Mini-Löhnen für mehr als zwei Millionen Beschäftigte

Zum Leben zu wenig, zum Sterben zu viel. Das ist
die Erkenntnis von mehr als zwei Millionen Menschen in Deutschland,
wenn sie ihre monatliche Lohnabrechnung in den Händen halten. Sie
alle verdienen weniger als sechs Euro pro Stunde – brutto,
wohlgemerkt. Derart niedrige Einkünfte sind nicht nur sittenwidrig,
sie werden für die Gesellschaft am Ende richtig teuer und wir alle
zahlen kräftig mit. Wer nämlich nicht genug verdient, um von seinen
Einkünften leben zu können, hat als Aufstocker Anspruch auf
HartzIV. Auf Leistungen also, die aus Steuergeldern
finanziert werden. Jüngsten Statistiken zufolge sind inzwischen rund
eine Million Beschäftigte auf solche Zuschüsse angewiesen, obwohl sie
bis zu 40Stunden in der Woche schuften. Und es sind eben
längst nicht nur die Ungelernten, die derart schlecht bezahlt werden.
Etwa 80Prozent der Niedriglöhner haben einer Studie des
Instituts für Arbeit und Qualifikation an der Universität
Duisburg-Essen zufolge eine abgeschlossene Berufausbildung oder einen
Hochschulabschluss. In ganz Westeuropa gibt es kein weiteres Land,
das sich eine derartige Verschwendung von Wissen, Kompetenz und
Fähigkeiten leistet. Dafür wird in Deutschland gern und laut über den
Mangel an hochqualifizierten Fachkräften und einen Wettbewerb
geklagt, der zunehmend über geringere Löhne ausgetragen wird. Kein
Ausweg nirgends? Doch. Der Staat muss aufhören, Löhne über Steuern
mitzufinanzieren und stattdessen endlich einen gesetzlichen
Mindestlohn einführen. Eine solche flächendeckende Lohnuntergrenze
würde die Kaufkraft von Geringverdienern spürbar stärken, den
Wettbewerb vom Kopf wieder auf die Füße stellen, den Arbeits-Anreiz
und das Selbstwertgefühl der Betroffenen erhöhen. Und auch der Staat
würde profitieren: mehr Steuern, mehr Sozialabgaben, weniger
HartzIV.

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