Eines muss man dem Wehrbeauftragten der
Bundesregierung lassen: Er nimmt kein Blatt vor den Mund. Mit
drastischen Worten hat Hellmut Königshaus einmal mehr die
Ausrüstungsmängel der Bundeswehr in Afghanistan beklagt. Und es
stimmt ja auch. Während die Amerikaner zum Beispiel über ein sehr
effektives Minenräumfahrzeug verfügen, müssen deutsche Soldaten oft
mit dem Sensor zu Fuß laufen. Denn die deutschen Fahrzeuge taugen nur
für unwegsames Gelände. Eine Straße wäre nach einem Minenräum-Einsatz
nicht mehr zu gebrauchen. Auch bei den gängigen Sanitätsfahrzeugen
der Bundeswehr hapert es. Sie sind nur unzureichend gegen Sprengsätze
und Beschuss geschützt. Das alles ist aber nicht erst seit gestern
bekannt. Wenn Königshaus trotzdem so tut, als handele es sich um
brisante Neuigkeiten, dann schwingt auch der Verdacht einer gewissen
Profilierungssucht mit. Der FDP-Politiker war noch gar nicht richtig
im Amt, da wollte er schon Leopard-Panzer an den Hindukusch schicken.
Das ließ viele Experten an seiner Kompetenz zweifeln. Inzwischen hat
sich Königshaus in sein Feld eingearbeitet. Deshalb wäre es klüger,
sich nicht länger zu Lasten des Verteidigungsministeriums in Szene zu
setzen, sondern mit den dort Verantwortlichen an einem Strang zu
ziehen. So wie man schon der zahllosen Entschuldigungen bei der Bahn
wegen ihrer ständigen Pannen überdrüssig ist, so nervt mittlerweile
auch die Dauer-Kritik am materiellen Zustand der Truppe. Schön wäre
es, wenn Königshaus endlich Erfolge seiner verbalen Breitseiten
verkünden könnte.
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