Mit ihrem Vorhaben, künftig mehr Männer als
Erzieher in Kindertageseinrichtungen zu gewinnen, hat
Familienministerin Kristina Schröder den Fokus auf ein bislang wenig
beachtetes Problem gerichtet. Alle Welt redet über das staatliche
Ziel, im Jahr 2013 einen Rechtsanspruch auf öffentliche Betreuung für
Kinder unter drei Jahren einzuführen und die dafür notwendige Anzahl
von Kita-Plätzen bereitzustellen. Aber die Personalfrage ist dabei
eher ein Randthema. Auch wenn sich die Herren der Schöpfung heute
deutlich stärker um ihren Nachwuchs kümmern als noch vor zehn oder 20
Jahren, im Kindergarten lebt das klassische Familien-Rollenspiel
weiter fort. Nach Angaben des Deutschen Jugendinstituts sind derzeit
gerade einmal 3,3Prozent der Erzieher in Kindergärten Männer.
Die Gründe liegen auf der Hand: Der Erzieherberuf wird vorwiegend in
Teilzeit ausgeübt, die Bezahlung ist vielerorts mäßig und die
Aufstiegsperspektive gering. Das ist umso ärgerlicher, als auch über
wachsende Bildungsdefizite von Jungen als Folge einer
Frauen-dominierten Kinderbetreuung diskutiert wird. Wenn die
Familienministerin den Erzieherberuf für Männer wirklich attraktiv
machen will, dann muss sie für eine qualitative Aufwertung und für
mehr gesellschaftliche Anerkennung sorgen. Schröders Pläne für ein
bloßes Umschulungsprogramm lassen darauf schließen, dass sie die
Dimension der Aufgabe noch nicht ganz erfasst hat.
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