Zuletzt hatte die Mini-Gewerkschaft GdF dem
Betreiber des Frankfurter Flughafens vorgeworfen, er setze die
Sicherheit der Passagiere aufs Spiel. In Wahrheit fürchtete die GdF,
dass der von ihr angezettelte Streik seine Wirkung zunehmend
verlieren könnte. Angelernte Einweiser bekamen die Situation auf dem
Rollfeld nämlich immer besser in den Griff. Dass die GdF den
Arbeitskampf nun einstweilen abgeblasen hat, entspringt also nicht
unbedingt der eigenen Vernunft. Vielmehr fügte sie sich der
normativen Kraft des Faktischen. Für alle Flugpassagiere, die in
diesen Tagen das Drehkreuz Frankfurt am Main nutzen müssen, ist das
trotzdem eine gute Nachricht. Ob die Gefahr weiterer Flugausfälle nun
auf Dauer gebannt ist, muss sich freilich erst noch zeigen. Bislang
haben die 200 Vorfeldlotsen auf sehr egoistische Weise ihre eigenen
Interessen verfolgt. Die anderen Kollegen im Flughafenbetrieb, die
zum Teil deutlich weniger verdienen, waren ihnen herzlich egal. Schon
vor Jahren hat der Lokführerstreik gezeigt, wie eine kleine
Gewerkschaft nahezu ein ganzes Land lahmlegen kann. Wer so viel
Einfluss hat, muss sich allerdings auch seiner Verantwortung bewusst
werden. So lange es bei der GdF daran mangelt, wird der Tarifkonflikt
kaum zu befrieden sein. Aber vielleicht wäre dies ja Anlass genug,
endlich über eine gesetzliche Regelung nachzudenken. Vor zwei Jahren
hatte zwar ein Gericht entschieden, dass auch mehrere Tarifverträge
innerhalb eines Betriebes rechtens sind. Wenn daraus aber ein
tarifliches Machtspiel zulasten der Allgemeinheit entsteht, dann muss
die Politik handeln.
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