Lausitzer Rundschau: Dazulernen gibt es nicht Neue Wikileaks-Enthüllungen zum Irak

Die Enthüllungen über die Grausamkeiten des
Irak-Krieges sind schon schlimm genug. Was aber noch viel mehr
schmerzt, ist die Erkenntnis, dass vom amerikanischen Militär seit
Jahren die alarmierenden Erkenntnisse gesammelt werden, ohne dass
daraus erkennbare Konsequenzen folgen. Barack Obama, der vor seiner
Zeit als Präsident sehr eindringlich über die Gefährdungen sprechen
konnte, die mit einem Krieg verbunden sind, hat nicht nur die
notwendige Debatte vermieden. Er schlägt jetzt zunehmend auch einen
Kurs ein, der dem seines Amtsvorgängers George W. Bush ähnelt und mit
dem Totschlagargument der Sicherheitsbedenken die Transparenz
erschwert. Dabei hilft das Schweigen über die Fehler und die
Verbrechen der jüngsten Militäreinsätze auch den Soldaten selbst
nicht. Denn die werden nicht in Ruhe, sie werden allein gelassen. Und
derart auf sich gestellt mit schrecklichen Eindrücken und allzu oft
auch mit den Fragen nach der eigenen Schuld, sind die Soldaten nicht
in der Lage, aus den Einsätzen zu lernen und die gesammelten
Erfahrungen zu verarbeiten. Die hohe Zahl an Selbsttötungen und der
labile psychische Zustand einer Vielzahl von Kriegsheimkehrern
sprechen ja auch eine deutliche Sprache. Der politische Irrweg, der
mit dem Schweigen verbunden ist, beschränkt sich aber nicht auf die
USA und ihre Soldaten. Auch in der Bundesrepublik besteht wenig
Neigung, sich mit den Folgen des Einsatzes in Afghanistan
auseinanderzusetzen. Es hat viel zu lange gedauert, bis endlich klar
ausgesprochen wurde, dass Bundeswehrsoldaten in einem Kriegseinsatz
stehen. Was dies an fast zwangsläufiger Verstrickung mit sich bringt,
wird geflissentlich übersehen. Und mit der fehlenden Transparenz muss
zwangsläufig auch jeder Versuch scheitern, wenigstens in den eigenen
Reihen die schlimmsten Auswüchse an Versagen einzugrenzen.

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