LaGrand Handwerk: Die Zimmerei aus dem Nichts

Der eigene Familienkreis entzog mir den Rückhalt. Unglaubliche Vorfälle zwangen mich dazu, mich inmitten von Bauaufträgen von meinem rückgratlosen Mitgesellschafter zu trennen. Die aktiven Aufträge wurden von heute auf morgen zu Kostenfallen – die mein überschaubares Budget völlig zerfraßen. Zumal Logistik-Auftraggeber aus irrationalen Gründen nicht pünktlich bzw. vollständig zahlen wollten. Letztendlich glaubte ich mich noch nie näher am finanziellen und sozialen Bankrott wie im Dezember 2014. Ich hatte ein enormes Risiko auf mich genommen und war auf bestem Wege, alles mit Höchstgeschwindigkeit gegen die Stahlwand des Lebens zu schleudern. Und rein technisch betrachtet, war der Totalschaden gar keine Eventualität mehr, sondern die nackte Realität.

Allerdings wollte mein inneres Ich die sich vor mir rekelnde Realität wohl nicht akzeptieren, ignorierte die Explosionen umzu und blieb konsequent auf Kurs. Bis Flammen und Rauch allmählich verzogen und durch hoffnungsvolles Land ersetzt wurden. Erst dann übergab mein Autopilot wieder an das reflektierende Ich der Oberfläche.

Ich schätze, dieser Shift von denkendem Handeln und Autopilot ist der Punkt, an dem sich Gewinner von Verlierer unterscheiden. Der Grat, den wir Evolution nennen; der Grat, der die Kämpfer unter uns tanzen und die Schwachen in den unbedeutenden Abgrund stürzen lässt. Mehr noch: dieser Persönlichkeitswechsel ist für mich die Anklagebank dessen, was Christen Gott nennen. Hat dich dein vergangenes Leben auf die Leben-oder-Tod-Entscheidungen der Zukunft vorbereitet, oder nicht? Ist dein Leid Teil deines Fleisches, oder nicht?. Bist du würdig, die Früchte der Tapferen zu genießen, oder endet deine Feigling-Reise hier und jetzt?

Heute lebe ich nach wie vor, obwohl noch vor kurzem Drohungen von allen Seiten in meine Richtung strömten. Überwiegend von Menschen, die nur das Bekannte für das Richtige halten und all jene, die Sonderwege gehen, mit voller Ernsthaftigkeit verfluchen. Wogegen ich diese Blinden sehr schätze. Sie sind die Indikatoren dafür, ob man mit seiner Lebenssuche endlich auf etwas sehr Interessantes gestoßen ist. Etwas, das ein Kämpferherz erfordert, um in die Realität geboren zu werden. Etwas, das unsere Kinder, wenn sie einmal die Welt führen, unbefristet huldigen werden.

Ich habe mein Logistikunternehmen mit dem Jahreswechsel beendet und investiere seitdem meine gesamte Energie und Kreativität in LaGrand Handwerk. Das Resultat sind zwei vollbeschäftigte Männer, der erfahrene Zimmerermeister (Bernd Köster), der energische Junggeselle (Jasper Schütz) und ein Umsatz, den keiner meiner bisherigen Bankberater je mit dem Namen Manuel Krämer verbinden konnte. Und das alles mit rund 100 in bar und einem Konto im Minusbereich an Startkapital. Zudem besaßen wir keinerlei Kundenstamm oder B-Kontakte, welche uns Aufträge zuspielten. Nichts. Es war die reine Willenskraft, die heute drei Männern und ihren Familien eine Existenz ermöglicht.

Aber dieser erste Schritt ist für uns keineswegs ein Grund zum Rühmen. Wir wissen sehr genau, dass sich der Wind sehr schnell drehen und uns wieder ins Nirvana treiben kann. Darum arbeiten wir so hart wie am ersten Tag an der Festigung unserer Zimmerei. Hierzu werden wir uns in Kürze nicht nur personell verstärken, sondern auch durch hauseigene Technik. Namentlich durch unsere erste App, die dem deutschen Handwerk einige Millionen jährlich an Kosteneinsparungen einbringen und somit im Kampf gegen Schwarzarbeit bzw. den internationalen Wettbewerb unterstützen kann. Heißt: Nur her mit dem Freihandelsabkommen, das deutsche Handwerk ist bereit, auch Dollars entgegenzunehmen.

Bleibt zu sagen, dass ich sehr dankbar für mein Team bin. Das Herz, das jeder einzelne täglich in das Unternehmen einbringt, ist unbezahlbar. Ohne meine Jungs liefe in diesem Laden gar nichts.

Ich bin zutiefst gespannt auf alles Kommende und genieße jede Minute, die ich in LaGrand Handwerk und die großen Ziele dahinter investieren darf. Darum: Let’s rock!

P.S. Das Privatleben kann sich der Gunst für einen Kämpfer nicht entziehen.

©Manuel Krämer