
• „Der Euro ist (auf Dauer gesehen) nur mit einer politischen Union zu retten“
Dies sagte Alan Greenspan der „Welt am Sonntag“ und brachte den Euro wieder in den Fokus der Analysten und Marktbeobachter zurück. Der international renommierte Wirtschaftswissenschaftler und kritische Denker Alan Greenspan war vom 11. August 1987 bis zum 31. Januar 2006 der Vorsitzende des Kollegialorgans der US-Notenbank (United States Federal Reserve Board). Greenspan erreichte in dieser Position hohes internationales Ansehen. Insgesamt arbeitete er unter 4 US-Präsidenten. Er wandte sich stets gegen eine feste Regelbindung der Geldpolitik, unter anderem mit seinem bekannten Ausspruch: „Geldpolitik ist keine angewandte Wissenschaft, sondern Kunst!“
Greenspan sehe nicht, dass ein gemeinsamer Wirtschafts- und Währungsraum dauerhaft funktionieren könne, wenn dieser aus 17 Ländern mit 17 unterschiedlichen Sozialsystemen besteht. „Die Euro-Zone braucht eine vollständige politische Union, entweder von allen Staaten oder nur von einem Kerneuropa. Das ist der einzige Weg, wenn die Euro-Zone nicht auseinanderfliegen soll“, sagte Greenspan. Der ehemalige Chef der Federal Reserve (Fed) äußerte Zweifel, dass es zu einer politischen Union in Europa kommen werde. „Die deutsch-deutsche Wiedervereinigung zeigt, wie schwer selbst in einem gemeinsamen Staat die kulturelle Angleichung ist.“
Greenspan meint, die deutsche Bundesbank sei der größte Kreditgeber der Euro-Zone. Dies sehen jedoch viele namhafte Finanzexperten ganz anders. Und Greenspan sieht die Gefahr von ökonomischen und finanzwirtschaftlichen Ungleichgewichten (Es bestehe kein Gleichgewicht).
• Alan Greenspan denkt laut und unbequem
Alan Greenspan ist nicht nur Banker; er ist vor allem auch einen Denker und vielleicht vielen Fachleuten und Politikern unbequem. Unbequem deshalb, weil er gerne den Finger in offene Wunden legt:
2010 hatte Greenspan die illegalen Machenschaften der Banken aufs Korn genommen und dabei die US-Bankwirtschaft scharf kritisiert: „Wir benötigen viel schärfere Gesetze gegen den Betrug. Es wurden Sachen gemacht die waren sicher illegal und in manchen Fällen ganz klar kriminell. Betrug ist eine Tatsache. Betrug schafft grosse Instabilität in den kompetitiven Märkten. Wenn man seinen Gegenpartnern nicht vertrauen kann funktioniert es nicht. Und in der Tat sahen wir es hat es nicht.“
2011 hatte Greenspan die Steuervorteile der US-Regierung Bush (Bush-Era) unter Feuer genommen: Alan Greenspan, former Federal Reserve chairman, has gone on record saying that he thinks the Bush-era tax cuts should be allowed to expire. “If we do not get Simpson-Bowles as a fall back position,” Greenspan told CNBC, “I stand with allowing the Bush tax cuts to expire.”
“If we do not get Simpson-Bowles as a fallback position,” Greenspan told CNBC, “I stand with allowing the Bush tax cuts to expire.”
“This crisis is so imminent and so difficult that I think we have to allow the so-called Bush tax cuts all to expire. That is a very big number,” he said, referring to how much the U.S. government could save from letting income taxes go back up to levels last seen under former President Bill Clinton, reports Wall Street Journal.
Greenspan believes it would be the only deficit-reducing option available should policymakers continue to disregard Simpson Bowles. For those unfamiliar with Simpson Bowles, it is the National Commission on Fiscal Responsibility and Reform (named after Alan Simpson and Erskine Bowles) that was created in 2010 by President Barack Obama to identify, “…policies to improve the fiscal situation in the medium term and to achieve fiscal sustainability over the long run.” (Im Jahr 2010 hat die Administration von Präsident Barack Obama eine Nationale Kommission zur Überprüfung der Fiskalfragen implementiert, benannt nach Alan Simpson und Erskine Bowles.)
The commission has been criticized as being overly-secretive and as being “stacked with people who want to target entitlement spending rather than any balanced proposal,” reports David Dayen of FDL. Several prominent Democrats and Progressives have voiced their opposition to the commission and have dubbed it the “cat food commission.” (The theory goes that if the commission cuts Social Security and Medicare benefits, previous recipients of these entitlements will be so destitute that they will be forced to eat cat food. Cute.)
Greenspan himself has been a vocal supporter of the commission and has said that the committee’s decision to eliminate most of tax expenditures (the $1 trillion in annual credits and deductions that are part of the tax code) was both “elegant” and “clever.”
• Positive Entwicklung in der Eurozone
Aber auch ein kritischer Analyst, wie Alan Greenspan, sieht das Licht am Ende des Tunnels in der Eurozone: Positiv bewertet Greenspan den Vorstoß, mit einer Bankenunion die Finanzregulierung von der nationalen auf die europäische Ebene zu heben.
„Natürlich, wenn man auf eine politische Union zusteuert, ist eine Bankenunion ein logischer erster Schritt dorthin“, wagt Greenspan eden Outlook für die Eurozone.
• Standard & Poor–s, Moody–s, Fitch
Auch die großen, globalen Ratingagentur sind im Hinblick auf die Eurozone zunehmend positiver gestimmt. Anfang September 2013 hatte Moody–s nur für 2 Staaten mit einem stabilen Ausblick votiert, inzwischen sind es 6. Ein wichtiger Schritt wäre es, wenn Moody–s – wie Fitch – den Ausblick für Spanien auf stabil anheben würde, so einige Analystenkommentare. Die positive Entscheidung zu Portugal (von Negativ auf jetzt Stabil!) bietet auch für das Nachbarland Anlass zur Hoffnung. Moody–s weist explizit darauf hin, dass Portugal von der Erholung der spanischen Wirtschaft profitiert. Und das Nachbarland ist wichtigster Handelspartner der Portugiesen.
Fitch hatte als erste der großen Ratingagenturen den Ausblick für Spanien von negativ auf stabil mit einem Research Upgrade (tool) versehen. Damit zollte Fitch dem Land Tribut für seine fiskalischen und strukturellen Reformen und rechnet diesem EU-Mitgliedstaat hoch an, dass es nun einen Handelsüberschuss erwirtschaftet. Das ist für viele Analysten und Marktbeobachter eine wichtige Entwicklung: Vor gerade 18 Monaten – in der Finanzkrise stand Spanien ganz vorne am Abgrund.
Die Ratingagentur Standard & Poor–s hat allerdings Frankreichs Kreditwürdigkeit auf die Note „AA“ herabgestuft. Das Land habe finanziellen Handlungsspielraum verloren und sei nicht in der Lage gewesen, Reformen umzusetzen, hieß es zur Begründung. Aber es ist immernoch die drittbeste Bewertung bei der Agentur S&P. Die Note steht noch immer für eine sehr gute Kreditwürdigkeit. Deutschland hat weiterhin die Bestnote „AAA“ inne. Auch die anderen Agenturen Moody–s und Fitch haben Frankreich schon die Spitzen-Bewertung entzogen. S&P geht nun noch einen Schritt weiter. Allerdings ist der Ausblick für die neue Note „stabil“, dürfte sich also vorerst nicht weiter verschlechtern. Der Aktienmarkt in Paris verlor knapp ein Prozent an Wert – mehr als es an anderen Börsen bergab ging. Dagegen zogen am Rentenmarkt die Renditen für zehnjährige französische Anleihen leicht an. Philippe Waechter, Analyst bei Natixis Asset Management, sagte, es entstehe der Eindruck, dass die Regierung nicht genug tue.
• Unterschiede in der Kaufkraft (KKP) und Wertschöpfung
Allein innerhalb Europas gibt es nicht unerhebliche Unterschiede in der Kaufkraft. Um die Kaufkraft in einem aussagefähigen Umfang ermitteln zu können, wird der „Internationale Dollar“ als Vergleichswährung (Weltbank) herangezogen (Umrechnungsfaktor aller anderen Währungen sind die Kaufkraftparitäten, kurz: KKP, Purchasing power). Danach ergibt sich folgendes KKP-Ranking für das Vorjahr:
56.240 KKP-Dollar (2012) Schweiz;
41.890 KKP-Dollar (2012) Deutschland;
32.870 KKP-Dollar (2012) Italien;
32.320 KKP-Dollar (2012) Spanien;
25.460 KKP-Dollar (2012) Griechenland;
24.770 KKP-Dollar (2012) Portugal.
Das Konzept der Kaufkraftparitäten (KKP) befindet sich im Spannungsfeld zwischen reiner Preisstatistik und Volkwirtschaftlicher Gesamtrechnung, dessen Etablierung einen nicht unbeträchtlichen Zeit- und Kostenaufwand notwendig macht. Beim internationalen Vergleich monetärer Größen weisen KKP jedoch im Verhältnis zu Wechselkursen (WK) ein stabileres Verhalten im Zeitablauf auf, denn WK werden zunächst von Angebot und Nachfrage auf den Devisenmärkten, sowie von unmittelbar geldpolitischen Maßnahmen determiniert (z. B. Zinsfestsetzungen, währungspolitische Entscheidungen).
• Wertschöpfung und Bedeutung des Mittelstandes
In diesem Punkt verkennt Alan Greenspan nicht unwesentliche Unterschiede zwischen den USA und Europa. Dass man die Zusammenhänge zwischen Unternehmensgröße und Wettbewerbsfähigkeit differenzierter zu beurteilen begann, zeigte sich, als in den 1980er und 90er Jahren eine Reihe von Großunternehmen anfing, sich auf ihre Kernaktivitäten zurückzuziehen: Neue Modelle der ökonomischen Produktionstheorie, welche die Wichtigkeit der schnellen Reaktion auf den Markt betonten, führten in der Praxis zu Auslagerungen von Produktionsphasen im Sinne der neuen „just-in-time“ – Lieferdevise. Die breite Mehrzahl der Unternehmen in der EU stellen die kleineren Betriebe des Mittelstandes, die weniger als 50 Beschäftigte haben. Die Vorstellung, dass Großbetriebe mit 250 und mehr Beschäftigten eine höhere Wertschöpfung pro Kopf aufweisen, wird von einer ganzen Reihe von Unternehmen widerlegt: den Unternehmen im Bergbau sowie für Elektrizitäts-, Gas- und Wasserversorgung und den wirtschaftsorientierten Diensten.
Für die Wertschöpfung in der EU und damit in der Eurozone sind KMU besonders wichtig. Bei diesen KMU handelt es sich um kleine und mittlere Betriebe mit etwa 10 bis 249 Mitarbeitern; sie kennzeichnen folgende Branchen: Steingewinnung und -Verarbeitung, Textil-, Bekleidungs-, Leder- und Holzindustrie, Druckereien, Metallwarenerzeugung, Möbelerzeugung, Baugewerbe, Reparatur und Verkauf von Kraftwagen, Großhandel, Leasing und Vermietung von Maschinen und Geräten sowie Recycling.
Für die Investionsbanken und die Wirtschaftsförderung in der EU haben KMU deshalb (zu Recht) besondere Bedeutung und Priorität.
Aber auch US-Präsident Barack Obama hat die Bedeutung des Mittelstandes wieder in das Zentrum der US-Wirtschaftspolitik zurück geholt. Wenn die Menschen der Mittelschicht weniger Geld haben, bedeute dies auch weniger Konsum und weniger Umsatz für Unternehmer. Eine gesunde Mittelklasse sei unerlässlich für eine moderne Volkswirtschaft, erklärte US-Präsident Barack Obama in einer wirtschaftpolitischen Grundsatzrede 2013. (President Obama Lays Out a Better Bargain for the Middle Class; In his remarks, President Obama laid out the progress we’ve made together in the five years since the start of the recession that cost millions of Americans their jobs, their homes, and their savings: The White House Blog 2013).
• Der Ausblick 2014/2015
Mit der Konjunktur in der Eurozone geht es aufwärts – allerdings langsamer als erhofft. „Es gibt zunehmend Anzeichen, dass die europäische Wirtschaft einen Wendepunkt erreicht hat“, sagte EU-Währungskommissar Olli Rehn. Trotzdem senkte die Kommission ihre Wachstumsprognose für 2014 leicht auf 1,1 % (bislang 1,2 %). Einen spürbaren Aufschwung erwartet die EU erst für 2015. Dann soll die Wirtschaft in der Euro-Zone um 1,7 % zulegen. Wenn die globalen Märkte mitspielen. So die Prognosen im November 2013.
Sandro Valecchi, Analyst
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