Jeder ist kreativ, die meisten trauen sich nur nicht. Was zum einen in Unternehmen dringend gebraucht wird, wird zum anderen gefürchtet wie die Pest. Neue Ideen sind zwar der Motor für Entwicklung und Vorwärtskommen, aber sie zerstören das vertraute Klima von „das haben wir doch schon immer so gemacht.“ Und deshalb mag sie keiner und niemand traut sich mehr, einfach mal „um die Ecke zu denken“.
Kreativität kann man lernen und zwar mit Strategien, die dazu zwingen, anders zu denken, vertraute Pfade zu verlassen, neue Gebiete zu erkunden. Wenn ein Maschinenteil oder eine Logistik-Lösung ein Teil der Natur wäre, wie sähe dies dann aus? Was wäre anders, wie würde die Natur (ein Tier, eine Pflanze) dieses technische Teil bzw. einen technischen Vorgang umsetzen? Welche Hilfsmittel bzw. Strategien haben Tiere oder Pflanzen, um Abläufe zu koordinieren, Bestandteile zu verinnerlichen oder abzusondern? Was machen sie anders und wie könnte man dies auf die ursprüngliche Situation anwenden? Wer es sich erlaubt, in diesen Bahnen zu denken und auch die verrücktesten Ideen zuzulassen, hat die Chance auf Kreativität, auf Anregungen, die in normalem Denken nie auftauchen würden.
Um Kreativität und Freiheit im Denken in Arbeitsprozessen hervorzurufen, braucht es verschiedene Elemente:
• Raum und Zeit
• Anregungen von außen
• die Erlaubnis, alles zu denken
• eine zuverlässige Moderation
• vielfältige Materialien
• gegenseitige Achtung
• ein guter Themenspeicher
Kreativität ist ein Prozess und kein Kaffeeautomat. Erst wenn ein Rahmen aus Zeit und Raum für Kreativität besteht, hat sie eine Chance, sich zu entfalten. Um den vorhandenen Denkrinnen zu entkommen, brauchen kreative Prozesse eine Anregung und die kommt von außen. Ob Postkarten mit unterschiedlichen Motiven, Kataloge von Versandhäusern, Moderationskarten, eine Vorgabe wie die 6-3-5-Methode oder Flipchartseiten zur Verfügung stehen – die Erlaubnis, jede noch so komische Idee zu notieren, ist der Motor, der kreative Seiten im Gehirn beflügelt. Eine weitere zwingende Voraussetzung für ein solches Meeting ist: keine Bewertungen! Jede Idee darf nicht nur gedacht, sondern auch aufgeschrieben und veröffentlicht werden. Sie wird weder abgewertet noch in der Luft zerrissen, sondern gemeinsam diskutiert.
TIPP: Ihre Idee wurde mal wieder von jemandem zunichte gemacht, noch bevor alle darüber reden konnten? Solchen Verurteilern geht es in der Regel nicht um Ihren Vorschlag, dafür kam die Bewertung zu rasch. Dahinter steckt Angst. Diese Verurteilern haben Sorge, als unkreativ und einfallslos erkannt zu werden. Sie möchten vertrautes Terrain nicht verlassen, selbst nicht in Gedanken. Deshalb ist es wichtig, Kreativität gleich im Keim zu ersticken. Also nehmen Sie diesen Herrschaften die Angst und geben Sie nicht klein bei.
Jede Idee, die das Licht der Welt erblickt, kann der Auslöser für eine neue Idee sein, eine Anregung zu etwas völlig anderem, welches wiederum einen ganz neuen Blickwinkel auf das alte Problem erlaubt. Um solche Prozesse in Gang zu halten und sie für die weitere Zusammenarbeiten zu nutzen, braucht es einen Moderator bzw. eine Moderatorin. Dies ist die Person, die Methoden vorstellt, das Material vorbereitet, die Zeit organisiert und die Ergebnisse einsammelt, um sie für alle sichtbar und diskutierbar zu machen. Eine Moderation führt den Themenspeicher, der all jene Ideen aufbewahrt, die beim aktuellen Termin nicht ausgewählt wurden, aber deshalb nicht unwichtig sind. Wer weiß, vielleicht ergibt sich ein Verlauf, für den weitere Ideen von Nöten sind.
Kreativität ist kein Ergebnis von Bildung oder Ausbildung. Zumeist ist ein rationaler Denkprozess genau das, was Kreativität verhindert. Analytisches Denken ist gut, jedoch kein Element von Kreativität. Zu innovativen Denkprozessen gehören Chaos, Durcheinander und Freiheit von Strukturen. Alles ist erlaubt, alles ist möglich. Dies gilt nicht nur für das Denken, sondern auch für das Papier. Auf dem Papier ist ebenfalls alles erlaubt, ob als Zeichnung, Geschichte, Stichwort oder Gedankenexperiment. Um kreative Prozesse zu entfalten, ist manchmal auch die Art der Verarbeitung ein Weg, um eigene Denkmuster zu überwinden und neue Wege zu finden.
TIPP: Das Gehirn ist bei allen Menschen gleich ausgestattet, nur jede und jeder benutzt es auf die eigene Weise. So entstehen Denkrinnen, die wie die Dachrinne nur einen Weg zulassen. Werden andere Verarbeitungsmöglichkeiten genutzt, entstehen neue neurologische Verschaltungen im Gehirn, die andere Potenziale freisetzen. Falls Sie es ausprobieren möchten: Verfassen Sie statt der üblichen Memos Reimgedichte, statt eines trockenen Berichts schreiben Sie ein Märchen, in dem interessante Akteure wahre Wunder vollbringen. Auch wenn Sie es vielleicht nicht veröffentlichen möchten, Sie werden sich beim Erfinden amüsieren. Das ist der Lohn von Kreativität.