Einer Statistik des Bundesgesundheitsministeriums (BMG) zufolge ist die Anzahl krankheitsbedingter Fehltage in deutschen Unternehmen um rund 10 Prozent gegenüber dem vergleichbaren Vorjahreszeitraum gestiegen. Damit liegt der Krankenstand des ersten Halbjahres auf dem höchsten Stand seit fünf Jahren. Fakt ist aber, dass die Fehlquote in Deutschland im Vergleich zu den 90er Jahren weiterhin auf niedrigem Niveau stagniert.
Ganz offensichtlich fehlt es diesem Zahlen-Cocktail an Aussagekraft. Dennoch bietet die jüngste Statistik des Ministeriums genug Raum für Spekulationen bezüglich der Ursachen für die Entwicklung der Krankenstände in Deutschland. So erklären Arbeitsmarktsexperten die Situation damit, dass die wirtschaftlich positive Entwicklung der vergangenen Monate dazu geführt habe, dass sich Arbeitnehmer wieder häufiger krank meldeten, weil die Angst vor dem Jobverlust schwinde. Die Zahlen verschleiern jedoch, dass sehr viele Arbeitnehmer aus Angst um ihren Arbeitsplatz auch krank zur Arbeit gehen. Zudem berücksichtigt die Statistik lediglich die Krankmeldungen der gesetzlich Krankenversicherten zum Stichtag des Monatsersten. Arbeitnehmer, die aufgrund kurzer Fehlzeiten keine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung vorlegen mussten, werden von der Statistik gar nicht erfasst.
Die Gefahr von Fehlinterpretationen von sich abzeichnenden Tendenzen ist damit entsprechend groß. Unternehmen tun jedoch gut daran, ihre Gesundheitsprävention kontinuierlich zu verbessern und Strategien zu entwickeln, um den Krankenstand zu senken – und zwar unabhängig davon, wie hoch oder niedrig der Krankenstand in Deutschland nun tatsächlich ist.