Regierungspolitiker und Gewerkschaften verlangen
das Rentenniveau auf dem jetzigen Stand zu fixieren oder es sogar
wieder anzuheben. Damit soll unter anderem einer angeblich steigenden
Altersarmut vorgebeugt werden. Das IW Köln hat berechnet, wie
zielführend diese Reformvorschläge sind und was sie die
Beitragszahler kosten würden.
Die zusätzlichen Kosten einer Fixierung des Rentenniveaus auf dem
heutigen Stand würden allein im Jahr 2029 28 Milliarden Euro mehr
kosten als bislang kalkuliert. Würde das Niveau auf die u.a. von
ver.di geforderten 50 Prozent angehoben, kämen auf die Beitragszahler
sogar zusätzliche Belastungen in Höhe von 52 Milliarden Euro zu.
Diese Zahlen ergeben sich aus Berechnungen einer Studie des Instituts
der deutschen Wirtschaft Köln (IW) im Auftrag der Initiative Neue
Soziale Marktwirtschaft (INSM).
Um die zusätzlichen Ausgaben zu finanzieren, müssten die
Beitragssätze deutlich steigen. Im Szenario „50 Prozent“ würde die
gesetzlich definierte Beitrags-Obergrenze von 22 Prozent ab dem Jahr
2024 überschritten. Bis 2029 stiege der Beitragssatz voraussichtlich
auf 25 Prozent. Im Szenario „47,5 Prozent“ erfolgt die Ãœberschreitung
der gesetzlichen Obergrenze ab dem Jahr 2027. „Die hohen Kosten eines
konstanten oder höheren Sicherungsniveaus belasten vor allem junge
und künftige Beitragszahler. Da von einem höheren Versorgungsniveau
auch alle Rentner mit Anwartschaften oberhalb der
Grundsicherungsschwelle profitieren, provoziert ein solches
Instrument vor allem Mitnahmeeffekte. Die Anhebung des Rentenniveaus
lässt sich daher nicht mit dem Ziel der Armutsprävention
rechtfertigen“, so Studien-Autor Dr. Jochem Pimpertz.
Die Berechnungen des IW Köln zeigen auch die positiven Effekte
eines höheren Rentenalters auf die Armutsgefährdung. Demnach wird das
Rentenniveau aller Wahrscheinlichkeit nach deutlich weniger stark
sinken als im offiziellen Rentenbericht der Bundesregierung
prognostiziert. Der Grund: Die Berechnungen gehen bisher weiter von
45 Beitragsjahren aus. De facto wird das Renteneintrittsalter aber
ansteigen. Die Folge: Verlängern sich zum Beispiel die Beitragsjahre
eines „Eckrentners“ im Jahre 2029 von 45 auf 47 Jahre, steigt das
Sicherungsniveau von 44,6 auf 46,6 Prozent und ist damit nur noch
knapp einen Prozentpunkt unter dem heutigen Versorgungsniveau (47,5).
Hubertus Pellengahr, Geschäftsführer der INSM, fordert die
Bundesregierung auf, keine weiteren Rentengeschenke zu verteilen:
„Die Rente mit 67 war der erste Schritt in die richtige Richtung, die
Rente mit 63 ein Rückschritt. Wer die Folgen des demografischen
Wandels gerecht auf jüngere und ältere Schultern verteilen will, muss
das Rentenalter weiter an die steigende Lebenserwartung anpassen. Das
stabilisiert die Beitragssätze, das Rentenniveau und ist ein
zielführenderes und gerechteres Mittel gegen Altersarmut als die
sogenannte Lebensleistungsrente.“
Die vollständige Studie und die Positionen der INSM zu Rente und
Altersarmut finden Sie auf www.insm.de
Die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft ist ein
überparteiliches Bündnis aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft.
Sie wirbt für die Grundsätze der Sozialen Marktwirtschaft in
Deutschland und gibt Anstöße für eine moderne marktwirtschaftliche
Politik. Die INSM wird von den Arbeitgeberverbänden der Metall- und
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