Viele norddeutsche Kreise und Städte haben noch
kein eigenes Konzept, um mit den Folgen des Klimawandels umzugehen.
Das ergab eine Recherche des NDR Politikmagazins „Panorama 3“ unter
allen Landkreisen, kreisfreien Städten und Städten mit mehr als
70.000 Einwohnern in Norddeutschland.
Lediglich besonders große Städte wie Hamburg und Hannover haben
teilweise sehr weitreichende Konzepte, um mit den klimatischen
Veränderungen künftig umzugehen. In fast allen norddeutschen
Landkreisen dagegen fehlt ein solcher Plan. Vereinzelt gaben die
Landkreise an, zurzeit an Konzepten zu arbeiten. Das Problem
veränderter Wetterlagen ist dabei in den Ämtern durchaus bekannt. Als
herausragende, wetterbedingte Herausforderung werden in den Behörden
überall im Norden lokale Starkregenereignisse wahrgenommen, die
direkt mit dem Klimawandel in Verbindung gebracht werden.
Sönke Schulz, geschäftsführender Vorstand beim
schleswig-holsteinischen Landkreistag, weist gegenüber dem NDR darauf
hin, dass die Anpassung an die Folgen der globalen Erwärmung „eine
zusätzlich freiwillige Aufgabe“ sei. Die Kreise seien „nicht
verpflichtet, so ein Konzept zu haben.“ Außerdem würden solche
langfristig in die Zukunft reichenden Themen nicht als besonders
wichtig erachtet. Deshalb würden „für dieses Thema keine Ressourcen
zur Verfügung stehen, um es so intensiv zu behandeln, wie man es
eigentlich müsste.“ Sönke Schulz ermahnt die Kreise allerdings, sich
besser um die Klimafolgenanpassung zu kümmern: „Das ist ein Thema,
das unmittelbar auch die Infrastruktur der Kommunen betrifft“,
beispielsweise bei Starkregenereignissen. „Die Kommunen und die
Kreise sind es, die unmittelbar mit den Erwartungen der Bürger
konfrontiert werden.“ Um diese Aufgabe bewältigen zu können,
benötigten sie allerdings langfristig Geld von Bund und Land. Nur auf
kurze Zeit angelegte Förderprojekte wären keine Lösung, so Schulz.
Die wenigen Verwaltungen, die auf Wetteränderungen reagieren,
bauen unterschiedlich vor. Je nach Anfälligkeit wird beispielsweise
zum Schutz vor Extremwetter in die Kanalisation, in Rückhaltebecken
oder Hochwasserschutz investiert. Zudem wird die Bauplanung angepasst
und Kooperation mit anderen Gemeinden gesucht.
Auch die Bundesregierung verlangt von den Kommunen ein stärkeres
Engagement bei der Vorbereitung auf die klimatischen Veränderungen.
So steht beispielsweise im aktuellen Fortschrittsbericht zur
„Deutschen Anpassungsstrategie an den Klimawandel“, dass diese
Langfristaufgabe in den Kommunalverwaltungen „institutionell“
verankert werden müsse. Weiter heißt es: „In den meisten Regionen
Deutschlands besteht (noch) kein starker Handlungsdruck. Die
Vorstellung einer geringen Betroffenheit führt zu mangelndem
Problembewusstsein bei der Anpassung bestehender Strategien (…) und
Verhaltensweisen.“ Vielfach wird von Experten ein sogenannter
„Klimaanpassungsmanager“ gefordert, der dieses weitreichende Thema in
den Verwaltungen ressortübergreifend betreut. Nach Recherchen von
„Panorama 3“ hat momentan im Norden unter den Landkreisen nur der
Kreis Segeberg einen derartigen Posten geschaffen und besetzt.
Auf kommunaler Ebene steht bisher der Klimaschutz im Vordergrund –
also der Versuch, die globale Erwärmung abzumildern. Vielfach wurden
dafür Konzepte geschrieben, um beispielsweise den Ausstoß von CO2
lokal zu verringern. Häufig wurden sogar explizit Personen damit
beauftragt, diesen Klimaschutz in der Verwaltung umzusetzen.
„Panorama 3“: Dienstag, 14. November, 21.15 Uhr, NDR Fernsehen
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