
Haar – Lkr. München / Das Thema Kinderbetreuung war Beratungsschwerpunkt an der Sitzung des Haarer Haupt-, Umwelt- und Werkausschusses am 13. Juni 2023. Die vom Gremium empfohlenen Maßnahmen zur Erhöhung der Arbeitsplatzattraktivität und Reduzierung von Personalengpässen im Kinderbetreuungsbereich sind aus Sicht von Gemeinderat Dr. Peter Siemsen zeitnah zu realisieren, damit der vom Rathaus angekündigte Kita-Aktionsplan schnellstmöglich zum Laufen kommt.
In der Sitzung mahnte der FDP-Politiker mehr Agilität bei der Entscheidungsfindung an. Maßnahmen wie die Verbesserung des Anstellungsschlüssels für pädagogische Fachkräfte oder die gemeindliche Übernahme der Trägerschaft über die Kindertageseinrichtung in der Ferdinand-Kobell-Straße dürften nicht durch unnötige Bewertungs- und Abstimmungsschleifen verzögert werden. „Wir stehen bei den Eltern in der Pflicht“, plädierte Siemsen für die zügige Ermächtigung des Bürgermeisters, die notwendigen Schritte für einen nahtlosen Weiterbetrieb der Einrichtung einzuleiten.
Doch werden die in der Sitzung des Hauptausschusses diskutierten Maßnahmen ausreichen, um dem akuten Mangel in der Kinderbetreuung wirksam zu begegnen? „Angesichts des Fehlens von über 150 Betreuungsplätzen müssen schnellstmöglich weitere Ideen auf den Tisch“, so Siemsen. Aufgrund des akuten Mangels an Raumressourcen sei wie in anderen Kommunen auch in Haar der kurzfristige Einsatz von Bauwagen- und Containerlösungen sowie die Einrichtung von Naturgruppen zu prüfen. Letztere könnten an bestehende Betreuungseinrichtungen angeschlossen werden und würden deren Räume nur bei schlechtem Wetter benötigen.
Auch bei der Nachmittagsbetreuung der Haarer Grundschüler besteht Handlungsbedarf. Siemsen rechnet damit, dass der Geburtenpeak im Corona-Jahr 2021 bei Eintritt des Rechtsanspruchs auf Ganztagsbetreuung im Schuljahr 2026/27 ebenfalls zu massiven Engpässen führen wird, wenn nicht bald konzeptionell gegengesteuert werde. Sprengelübergreifende Kooperationskonzepte sind aus seiner Sicht dringend in die Betrachtungen aufzunehmen.
„Kinderbetreuung ist kommunale Pflichtaufgabe“, forderte Siemsen in der Sitzung des Hauptausschusses, dem Thema im Haushalt oberste Priorität einzuräumen. Diskussionen um Versäumnisse und fehlerhafte Prognosen in der Vergangenheit würden aktuell niemandem helfen. Vielmehr müssen jetzt alle Fraktionen an einem Strang ziehen, erklärte der FDP-Politiker im Nachgang der Sitzung.