Kann man seine eigene Baufirma gründen?

Grundsätzlich kann jeder eine Baufirma gründen, wenn er die grundlegenden Bedingungen erfüllt. Dazu gehört eine abgeschlossene Ausbildung im handwerklichen Bereich und eine Qualifikation zum technischen Betriebsleiter. Die genauen Informationen und Zulassungsbeschränkungen bekommt man bei der zuständigen Handwerkskammer.

Neben den formalen Bedingungen ist die berufliche Praxiserfahrung aber noch viel wichtiger, um eine erfolgreiche Baufirma zu führen. Man sollte in jedem Fall wissen, wie die Branche funktioniert und wie man an Ausschreibungen und Aufträge kommt. Erste Erfahrungen als Mitarbeiter in einer Baufirma, viele Gespräche mit Branchenkollegen und ein Netzwerk sind dabei von unschätzbarem Wert.

Baufirma mit Meistertitel gründen

Für viele Tätigkeiten, die eine Baufirma übernimmt, besteht Meisterpflicht. Dazu gehören Tätigkeiten wie Zimmerer, Maurer, Dachdecker, Gerüstbauer und Betonbauer. Genauere Details dazu findet man in der Handwerksordnung. Eine Firmengründung in diesem Bereich setzt voraus, dass der Unternehmensinhaber beziehungsweise die für den Bau verantwortliche Person über einen Meistertitel verfügt.

Baufirma ohne Meistertitel gründen

Grundsätzlich sollte jede Baufirma über einen Meistertitel verfügen. Bei einigen Bautätigkeiten ist der Meistertitel aber keine Pflicht. Das sind zum Beispiel Dinge wie Estrich verlegen (Siehe: Estrich Kosten), Fliesen verlegen, Trockenbau, Renovierung, Entkernung, Innenarbeiten, Gartenbau und Landschaftsbau.
Auch in Bereichen mit Meisterpflicht kann ein Nicht-Meister ein Bauunternehmen gründen. In dem Fall darf er dann aber lediglich als Geschäftsführer des Unternehmens tätig sein und muss alle baulichen Aspekte und Entscheidungen der Person mit Meistertitel überlassen. Der Unternehmensgründer muss einen Meister als verantwortliche Person in seinem Unternehmen einstellen.

Eine Baufirma ohne Meistertitel zu gründen kann aber auch tückisch sein, besonders dann, wenn man von einer Bank Startkapital benötigt. Banken gewähren nämlich nur ungern Kredite, wenn berufliche Sicherheiten oder Erfahrungen nicht ausreichend vorhanden sind.

Eine Baufirma übernehmen

Eine weitere Möglichkeit, um in die Baubranche einzusteigen, ist die Ãœbernahme eines bestehenden Bauunternehmens. Dies hat den großen Vorteil, dass das Unternehmen meist schon gut etabliert und ein eingespieltes Team vorhanden ist. Beziehungen zu Lieferanten und Kunden sind ebenfalls bereits vorhanden und bei guter Pflege auch sehr gefestigt. Banken und Investoren sind bereitwilliger Geld zu geben, da das Unternehmen oft schon eine positive Bilanz vorweisen kann. Solche Ãœbernahmen finden oft statt, wenn bereits bestehende Mitarbeiter des Unternehmens die Nachfolge übernehmen oder Kinder in die Fußstapfen der Eltern treten.

Start der Selbständigkeit im Baugewerbe

Wer ein Unternehmen im Baugewerbe gründet, muss dies zunächst bei der zuständigen Handwerkskammer anmelden. Hierbei erfolgt die Eintragung entweder in das Verzeichnis zulassungsfreier Handwerke oder in das Verzeichnis der Handwerke, die einen Meistertitel voraussetzen. Mit Ausstellung der Handwerkskarte wird man anschließend automatisch Mitglied der Handwerkskammer.

Im zweiten Schritt erfolgt die Anmeldung einer gewerblichen Tätigkeit beim zuständigen Gewerbeamt der Stadt oder Gemeinde, in der man gründen möchte. Dabei werden auch alles verbundenen Behörden und Institute wie das Finanzamt, die Berufsgenossenschaft, die Sozialkasse der Bauwirtschaft und andere Behörden über die Gründung automatisch informiert.

Im nächsten Schritt muss definiert werden, welche Art von Bautätigkeiten das Unternehmen ausführt. In der Baubranche unterscheidet man in Fachunternehmen, Generalunternehmen und Totalunternehmen. Fachunternehmen sind dabei nur auf ein bestimmtes Handwerk spezialisiert. Generalunternehmen bieten mehrere Handwerke an, die gegebenenfalls auch von Subunternehmen und Partnern durchgeführt werden. Ein Totalunternehmen führt hingegen komplette Bauprojekte meist von A bis Z durch.