Die Designer-Zwillingen im Interview über den Unterschied zwischen Designern und Künstlern und ihre Zukunftspläne nach der Veröffentlichung ihres Buches NEA MACHINA – die Kreativmaschine Kopf-Bauch-Hand-Computer.
Seht ihr euch eher als Künstler oder als Designer?
Thomas: “Es ist sehr schwierig, das auseinander zu halten. Wir sind Designer, wenn wir für ein festgelegtes Thema arbeiten und genau das erfüllen, was die Vorgabe ist. Wir sind Künstler, wenn wir selbst unsere Auftraggeber sind. Mir fällt dazu ein Zitat von Kurt Weidemann ein: ‘Der Künstler macht was er will, der Designer will was er macht.’ Es ist überhaupt kein Widerspruch, Designer und Künstler in einer Person zu sein. Mann muss nur entscheiden, in welcher Situation man welche Position einnimmt.”
Und was ist euch lieber: das Künstler- oder das Designerdasein?
Thomas: “Es ist angenehm, dieses Künstler-Ventil zu haben, um bei Aufträgen nicht zu egoistisch zu sein. Aber auch die Designertätigkeit ist extrem wertvoll, weil man dadurch Input von außen kriegt. Man kriegt mit was in der ‘ganz normalen Welt’ passiert, in der man sich als Künstler ja nicht unbedingt so eingliedern muss. Diese Pseudo-Konkurrenz zwischen Künstler und Designer finde ich relativ lächerlich, weil man nur andere Felder beackert, aber eigentlich fast dieselben Prozesse nutzt.”
Rund ein Drittel eurer Arbeitszeit habt ihr für euer Künstlerdasein reserviert. Verkauft ihr die Werke, die in dieser Zeit des freien Schaffens entstehen?
Thomas: “Im Moment noch nicht wirklich. Wir richten uns aber gerade eine Siebdruckwerkstatt ein, in der wir dann auch Arbeiten produzieren wollen, die wir als eigene Werke verkaufen.”
Beim Kreativdialog am Donnerstag habt ihr uns erläutert, dass die Umwelt für euch eine wichtige Inspirationsquelle ist. Gibt es auch Personen, die ihr als Vorbilder für euer Schaffen seht?
Martin: “Ja, die klassischen Künstler wie Picasso oder van Gogh. Von der Lebensweise und der Art der Gestaltung inspiriert uns am ehesten Milton Glaser, da er Künstler und Designer gleichermaßen ist. Außerdem macht er sehr persönliche Designs.”
Ihr schätzt Designer, die eine persönliche Note in ihre Arbeit bringen?
Martin: “Ja, wir waren immer begeistert davon, wenn jemand nicht nur sagt, das ist jetzt richtig für den Kunden sondern auch darauf achtet, das der eigene Ausdruck nicht zu kurz kommt.”
Woran erkennt man eigentlich, dass es an der Zeit ist, das freie Schaffen bzw. Experimentieren zu beenden und mit der “wirklichen Arbeit” zu beginnen?
Martin: “Das ist nicht immer einfach. Wir haben aber aus der Erfahrung gelernt, auf unser Gefühl zu vertrauen. Irgendwann muss man einfach sagen, das ist spannend und das nicht. Und es hilft auch, dass wir zu zweit sind: Wenn wir beide einen Entwurf gut finden, ist klar, dass er die beste Lösung ist.”
Honorieren eure Kunden eigentlich, dass ihr viel Zeit fürs Experimentieren verwendet?
Martin: “Wir sind momentan in der glücklichen Lage, dass die Kunden oft aufgrund unseres Buches zu uns kommen und daher den experimentellen Ansatz sehr schätzen. Es ist aber schon so, dass wir – wenn wir kommerzielle Aufträge haben – nicht ins Blaue experimentieren sondern systematisch auf ein Ziel hinarbeiten. Auch da ist es von Vorteil, dass wir zu zweit sind: einer übernimmt die systematische Rolle und der andere die spielerische. Und wenn ein Projekt wirklich mal in drei Tagen fertig sein muss, greifen wir auf die vollen Skizzenbücher in unseren Schubladen zurück. Immerhin sind unsere Speicher durch die Zeit, die wir uns für Experimente nehmen, gut gefüllt.”
Die obligatorische Frage am Ende: Wie sehen eure Zukunftspläne aus?
Thomas: “Im Moment forschen wir an mehreren neuen Projekten, die um einiges anders sind als NEA MACHINA. Wir schauen einfach mal, was sich am besten entwickelt. Es wird sicher wieder eine Publikation geben. Ob in Form eines Buches, eines Filmes oder einer Online-Lösung wird sich aber erst entscheiden. Wir lassen uns nicht aufgrund unseres Bekanntheitsgrades zu etwas Neuem drängen sondern machen ruhig weiter. Da kommt uns auch zugute, dass wir in einem kleinen Dorf abseits der Design-Szene leben. Sobald wir zuhause sind spüren wir keine Konkurrenz und keinen Erfüllungsdruck.”
Weitere Informationen unter:
http://beta-lab.at/blog/2012/02/08/interview-mit-thomas-und-martin-poschauko-pseudo-konkurrenz-zwischen-kunstlern-und-designern-ist-lacherlich/