Interview – Co-Working Space oder Business Center?

Interview – Co-Working Space oder Business Center?
Coworking Space – San Francisco
 

Heutzutage gibt es verschiedene Arten der flexiblen und günstigen Bürolösung, die sich auf individuelle Bedürfnisse anpasst. Möglichkeiten der Vernetzung in sogenannten Co-Working-Spaces oder Arbeiten unter seinesgleichen in einem geteilten Büro mit einer angenehmen Arbeitsatmosphäre sind nur ein paar der Vorteile, die so manchen vom Home-Office in ein geteiltes Büro ziehen lassen.
Das Angebot ist verlockend, doch unweigerlich taucht die Frage auf: Welche Lösung ist für mich die beste?

Um dieser Frage auf den Grund zu gehen, haben wir haben zwei Personen interviewt, die bereits mit Erfolg in geteilten Büros arbeiten. Lena aus Berlin, die sich für einen Co-Working Space entschieden hat, und Thomas aus Wien, der in einem Business Center arbeitet.

Lena ist eine 30-jährige dynamische Projektmanagerin für einen Start-Up im Kreativbereich und arbeitet im Co-Working-Space Betahaus Berlin. Nach dem Studium der European Studies war sie einige Jahre als Marketing Managerin für einen großen Solarmodulhersteller tätig, bevor sie sich schließlich entschloss, eigene Projekte zu verfolgen.

Thomas (38) arbeitet als freier Übersetzer und Ingenieur in einem Regus Business Center in Wien. Nach seinem Studium der Ingenieurwissenschaften sammelte er Berufserfahrung in verschiedenen Betrieben, bevor es ihn nach Österreich in die Selbständigkeit zog.

1. Was war für euch bei der Auswahl eines geteilten Büros ausschlaggebend?

Lena: Mir gibt es die Chance, dass ich Privates und Berufliches wieder besser trennen kann. Anfangs habe ich von Zuhause aus gearbeitet und hatte ständig das Gefühl, auf der Arbeit zu sein. Für das Betahaus habe ich mich wegen der Atmosphäre und Networkingmöglichkeiten entschieden. Außerdem gefiel mir, dass die Location gut mit der U-Bahn zu erreichen ist.
Thomas: Mir hat das Konzept vom Business Center einfach besser gefallen, da ich für meine Selbstständigkeit eher kein Großraumbüro gesucht hatte. Die Idee eines Shared Office in Verbindung mit einem guten Preis gefiel mir.

2. Ihr habt unterschiedliche Bürolösungen gewählt, für wen sind Co-Working Spaces beziehungsweise Business Center am besten geeignet?

Thomas: Für selbstständige Unternehmer, die wenig Kundenbesuche haben, würde ich ein Business Center auf jeden Fall empfehlen. Als Start-Up hat man hier den großen Vorteil, dass einem die nicht-fachliche Arbeit weitestgehend abgenommen wird.
Lena: Meiner Meinung nach fördert die Atmosphäre in Co-Working-Spaces die Inspiration und den Ideenreichtum und ist deshalb besonders gut für alle kreativ arbeitenden Menschen geeignet.
Ich halte Co-Working Spaces prinzipiell in allen Arbeitsbereichen für eine gute Wahl, bei denen die Zeit frei eingeteilt werden kann (und nicht ständiger Austausch mit Kollegen in Meetings nötig ist). Als Ausnahme würde ich jedoch Tätigkeiten betrachten, bei denen vor allem viele ungestörte Telefonate geführt werden müssen.

3. Was haltet ihr von dem Preis-Leistungsverhältnis, wieviel zahlt ihr aktuell für welche Leistung?

Lena: Derzeit nutze ich die Option „Flex-Desk“, d.h. ich habe keinen festen Schreibtisch, sondern nehme einen, der verfügbar ist. Ich finde es inspirierend, des öfteren den Platz zu wechseln. Man kann sich natürlich auch einen festen Platz sichern. Ich nutze die 12er Flex für 79 ?, d.h. ich kann an 12 frei-wählbaren Tagen im Monat im Co-Working Space arbeiten. Ein kompletter Monat würde 149 ? kosten. Sehr selten nutzen wir auch den Meetingraum (für 25 Euro für 5 Stunden), meistens sind wir bei solchen Meetings im hausinternen Café. Die Preise sind für mich absolut in Ordnung.
Thomas: Ich bin mit dem Preis-Leistungsverhältnis zufrieden. Für einen Campusplatz mit drei anderen Mietern zahlt man in etwa 250-300 Euro netto pro Monat.

4. Seid ihr flexibel in eurer Arbeitszeit? Wie sind die Kündigungsfristen?

Lena: Das Betahaus ist von 8 bis 20 Uhr geöffnet und ich kann immer zum Ende des Folgemonats meine Mitgliedschaft kündigen. Meinen Schreibtisch kann ich pro Tag oder pro Monat mieten.
Thomas: Meine Arbeitszeit ist ebenfalls flexibel, mit einer Kündigungsfrist von drei Monaten. Der Vertrag hat eine Laufzeit von einem Jahr, die ohne Kündigung auf ein weiteres Jahr verlängert wird.

5. Was sind für euch die entscheidenden Vorteile an dem von euch gewählten Konzept?

Thomas: Das faszinierende am Shared Office-Konzept ist, dass man unter seinesgleichen arbeitet, auch wenn viele nicht selbstständig arbeiten. Die Arbeitsmoral ist im Allgemeinen etwas höher als bei mittelgroßen bis großen Unternehmen. Das Arbeitsklima ist auch freundlicher. Negative Erlebnisse gibt es eher weniger. Nachbarn mit denen man nicht zurecht kommt kann man einfach aus dem Weg gehen.
Lena: Bei uns gibt es jeden Donnerstag ein Networking-Frühstück. Daran nehme ich regelmäßig teil, weil es eine super Möglichkeit zum Kennenlernen und Austauschen ist. Hier hatte ich auch ein einschneidendes Co-Working-Space Erlebnis. Nach einer anfänglichen Euphorie über meine Selbstständigkeit und das damit verbundene freie Arbeiten, kam ich an einen Punkt, wo ich doch so einige der Vorteile vermisste, die ich zuvor bei meiner Arbeit im Unternehmen hatte. Ich musste mich nun um mein Projekt „von vorne bis hinten“ ganz alleine kümmern, also auch um Aufgaben, die nicht zu meinen Stärken gehören und all das ohne Rückendeckung oder Feedback von Kollegen. Insbesondere die Akquise bereitete mir Bauchschmerzen. Beim Frühstück im Co-Working-Space sprach ich über diese Situation mit einem Co-Worker. So fand ich heraus, dass er sich deshalb einem Netzwerk namens „the seed“ angeschlossen hatte, die auf Basis einer Genossenschaft zusammen arbeiten und derzeit planen, ein Berliner Team aufzubauen.
Mich hat die Idee sofort begeistert, die mir einerseits einen großen Spielraum bietet, mir andererseits aber auch meine Freiheiten aus der Selbstständigkeit lässt. Und so bin ich heute, dank eines Gesprächs beim Frühstück, Mitglied dieses Teams und dankbar, dass ich mich nun wieder gezielt auf meine Stärken konzentrieren und die Akquise anderen überlassen kann.

6. Das klingt einfach super, professionelle Vernetzung an der Kaffeemaschine sozusagen. Habt ihr noch ein paar Tipps für Neulinge?

Thomas: Neulingen kann ich nur empfehlen einen Büroplatz in einem der vielen Business Center auszuprobieren. Man sollte auch einen guten Preis aushandeln und den Spielraum nutzen. Regus ist in dieser Hinsicht flexibel.
Lena: Ganz wichtig ist die Wohlfühlatmosphäre. Ich würde mich bei der Auswahl des Co-Working Space ganz auf mein Gefühl verlassen und schauen ob ich die Leute dort zu einem passen. Gerade hier in Berlin gibt es ein relativ großes Angebot und preislich ähneln sie sich. Aber lieber ein paar Euro mehr zahlen, denn schließlich verbringt man dort viele Stunden pro Monat. Und ich kann von mir sagen: Je wohler ich mich in meiner Umgebung fühle, desto besser kann ich auch arbeiten.

Das ist ein schönes Schlusswort. Anscheinend ist es wohl eine Geschmacksfrage welche Bürolösung die richtige ist. Dabei ist natürlich entscheidend, wieviel Networking bzw. Privatsphäre bei der Arbeit gewünscht ist.

Bildnachweis: flickr.com (hyku)

Weitere Informationen unter:
http://betahaus.de/