Interview Christian Mayer, Lapp Holding AG

Im Vorfeld zur Corporate Risk Minds 2013 hat we.CONECT mit Christian Mayer, Group Risk
Manager bei der Lapp Holding AG, über Herausforderungen und Chancen eines unternehmensweit
integrierten Risikomanagementsystems und den Stellenwert geeigneter Methoden in der
Risikoaggregation im Kontext steigender Vernetzung und Komplexität gesprochen.

we.CONECT:
Was sind aus Ihrer Sicht die aktuellen Herausforderungen und Trends für das Thema Risikomanagement in Unter-nehmen?
Christian Mayer: Durch die häufiger auftretenden Naturkatastrophen, die ak-tuellen Skandale um Inhaltsstoffe in Vor- und Fertigprodukten – wie beispiels-weise den Pferdefleischskandal – die weiter anhaltende Globalisierung und damit einhergehend die steigende Ver-netzung sowie Komplexität, ist meines Erachtens das Thema „Supply Chain Risk Management“ eine der aktuellen und zu-künftigen Herausforderungen im Risiko-management. Um diese Herausforde-rung zu bewältigen, wird es zunehmend eine Aufgabe der Risk Manager sein, die Betriebsunterbrechungsrisiken zu analy-sieren und geeignete Instrumente zur Steuerung dieser Risiken – beispiels-weise Business Continuity Planning (BCP) oder Disaster Recovery Planning (DRP) – vorzuhalten. Jedoch mangelt es bei den meisten Unternehmen an den entsprechenden Methoden zur Identi-fikation, Analyse und Quantifizierung von Risiken. Insofern besteht eine weitere Herausforderung darin, ge-eignete Methoden zur Quantifizierung von Risiken zu nutzen, die Wechsel-wirkung von Risiken untereinander zu bestimmen und sie im Kontext der operativen sowie strategischen Unter-nehmensplanung zu aggregieren. Um diese Herausforderung meistern zu können, ist jedoch ein Umdenken bei vielen Unternehmen notwendig, da einerseits der Fokus in den letzten Jahren zu sehr auf die Verbindung von Risikomanagement und Compliance gelegt wurde, und andererseits speziell der Prozessschritt der Risikoquanti-fizierung vernachlässigt wurde.
we.CONECT:
Wie stellt sich Ihr Unternehmen auf diese Herausforderungen ein?
Christian Mayer: Zur Bewältigung der Herausforderung ist unser Risiko-managementsystem so ausgerichtet, dass bei einer Risikoinventur die ge-samte Supply Chain betrachtet wird. Zudem werden die Risiken nicht mehr nur qualitativ beschrieben, sondern mit statistischen Verteilungen (zum Beispiel Normal-, Lognormal- und Dreiecks-verteilung). Ferner sollen, nachdem die verschiedenen Beteiligten im Prozess des Risikomanagements in der An-wendung geübt sind, unter Nutzung der bekannten Monte Carlo-Simulation die Risiken im Kontext der Unternehmens-planung aggregiert und eine risikoadjus-tierte Gewinn- und Verlustrechnung auf-gebaut werden. Um dieses Ziel zu erreichen, ist das Risikomanagement mittlerweile ein fester Bestandteil des operativen Planungsprozesses, verknüpft mit weiteren Managementsystemen so-wie in die bestehenden Prozesse inte-griert. Zukünftig soll das Risikomanage-mentsystem ebenso in den strate-gischen Planungsprozess integriert werden.
we.CONECT:
An welchen konkreten Projekten arbeiten Sie gerade in Ihrem Unter-nehmen? Welche Besonderheiten beinhalten diese Projekte?
Christian Mayer: Im Oktober letzten Jahres hatte der Hurrikan Sandy einen Einfluss auf unsere Geschäftsaktivitäten der US-amerikanischen Tochtergesell-schaft. Basierend auf diesen Erfah-rungen haben wir uns dazu ent-schlossen, in unserer US-amerikani-schen Gesellschaft ein Pilotprojekt zur Entwicklung eines Business Continuity Planning (BCP) / Disaster Recovery Planning (DRP) aufzusetzen. Nach dem Vorbild der dortigen Entwicklung werden wir ein gruppenweites BCP / DRP aufbauen und in unsere bestehenden Managementsysteme integrieren.
we.CONECT:
Beschreiben Sie bitte das Thema Ihres World Cafés, welches Sie auf der Konferenz moderieren werden.
Christian Mayer: Das Thema meines World Cafés stellt den Faktor Mensch in den Fokus der Risikobetrachtung. Menschen nehmen Risiken unterschied-lich wahr und haben verschiedene Risikoeinstellungen. Dies resultiert je-weils aus kulturellen Bedingungen, psychologischen Einflussfaktoren und Bildung. Diese beeinflussen insgesamt wiederum die Erkennung sowie Ein-schätzung von Risiken und obendrein die Relevanz von Risikosteuerungs-instrumenten. Diese Einflüsse sind vielen Risk Managern nicht bewusst. Jedoch sind viele Enterprise Risk Manager, aufgrund eines Mangels an aussagekräftigen Zeitreihen, dazu ge-zwungen auf Schätzungen von Risiken durch die Risikoeigner zurückzugreifen.
we.CONECT:
Welche Herausforderungen resultie-ren daraus generell für die Industrie?
Christian Mayer: Angesichts der glo-balen Aufstellung der Unternehmen, der steigenden Volatilität der Einkaufs- und Absatzmärkte plus der oftmals nicht vorhandenen Zeitreihen, muss der Risk Manager von heute neben der Beherr-schung von statistischen Methoden noch eine Vielzahl an weiteren Instru-menten, Kenntnissen und Fähigkeiten mitbringen, um seiner Aufgabe gerecht zu werden. Dazu gehören nach meinem Dafürhalten genauso die Kenntnis des kulturellen Kontextes in dem sie agieren und dem Wissen um psychologische Aspekte. Insbesondere vor dem Hinter-grund, dass Risiken meines Erachtens quantifiziert werden sollten. Ohne die Quantifizierung von Risiken können die ökonomischen Nutzenpotenziale, die ein Risikomanagementsystem sehr wohl bieten kann, nicht geschöpft werden. Insofern besteht die Herausforderung darin, sich dieses Wissen anzueignen und entsprechende Strategien zur Ver-meidung der Pitfalls zu kennen sowie anwenden zu können.
we.CONECT:
Welche Erwartungen haben Sie an die Corporate Risk Minds 2013? Welchen Mehrwert erwarten Sie sich aus dem Austausch mit den teilneh-menden Unternehmen?
Christian Mayer: Wie bei den meisten Konferenzteilnehmern steht selbstver-ständlich der Erfahrungsaustausch an vorderster Stelle. Ganz speziell suche ich den Austausch mit Risk Managern anderer familiengeführter Unternehmen. Daneben interessiert es mich, wie die Risikomanagementsysteme der anderen Gesellschaften aufgestellt beziehungs-weise entwickelt sind.
we.CONECT:
Vielen Dank für das Interview!
Interview Partner: Stefanie Nawrocki & Christian Mayer

Christian Mayer ist Group Risk Manager der Lapp Gruppe. Nach seinem Studium der Volks-wirtschaftslehre begann er als Consultant der FutureValue Group AG und betreute Unter-nehmen bei der Einführung sowie Weiter-entwicklung von Risikomanagementsystemen. Anschließend wechselte er in die Industrie zur Lapp Holding AG. Dort ist er gesamtverant-wortlich für das Risikomanagementsystem. Er nimmt verschiedene Lehraufträge an Hoch-schulen wahr und ist Co-Leiter des Arbeits-*kreises „Risikoquantifizierung“ der Risk Management Association e.V.. Am 20. – 21. Juni 2013 lädt we.CONECT verantwortliche Manager aus den Bereichen Risikomanagement, Risikocontrolling, Interne Revision, Konzernsteuerung und Strategische Unternehmensführung / -planung zur Jahres-tagung Corporate Risk Minds 2013 ins Steigenberger Hotel Berlin ein. Die Corporate Risk Minds bietet die einzigartige Gelegenheit zum gezielten Austausch über strategische Ansätze, operative Herausforderungen und mögliche Lösungen im Risikomanagement der deutschsprachigen Industrie.Mit mehr als 80 hochrangigen Teilnehmern aus international agierenden Mittelständlern und Großunterneh-men der (produzierenden und Handel betrei-benden) Industrie ist die Fachtagung die interaktive Plattform im deutschsprachigen Raum zur Diskussion und gemeinsamen Be-trachtung beständiger und zukünftiger Herausforderungen im unternehmensweiten Risikomanagement.
Weitere Informationen zum Event und zu we.CONECT finden Sie unter http://corporate-risk.we-conect.com

Kontakt: Stefanie Nawrocki, Product Manager
Tel.: +49 (0)30 52 10 70 3 – 47 E: stefanie.nawrocki@we-conect.com
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