Das Internet und die reale Weltwachsen zunehmend zu neuen Real World Internet Diensten zusammen. Über die neuesten Trends auf diesem Sektor diskutierten Forscher, Entwickler und Anwender anlässlich einer Fachtagung, zu der die Informationstechnische Gesellschaft im VDE (ITG) nach Osnabrück eingeladen hatte.
Gemäß der Breitbandstrategie der Bundesregierung sollen bis Ende 2010 flächendeckende Breitbandanschlüsse mit einer Datenrate von mindestens 1 Mbit/s verfügbar sein. Bis 2014 soll die Übertragungsrate bei 75% der Haushalte sogar mehr als 50 Mbit/s betragen. Über exemplarische Untersuchungen zum Potenzial von „Long Term Evolution“ LTE-Netzen zur Breitbandversorgung ländlicher Regionen berichtete Christian Lüders vom Breitbandkompetenzzentrum der Fachhochschule Südwestfalen. Das Kompetenzzentrum hat die Aufgabe, Konzepte zur Breitbandversorgung ländlicher Regionen zu entwickeln, bestehende und neue Technologien auf ihre Eignung hin zu bewerten sowie Kommunen und Kreise bei ihren Ausbauplanungen zu beraten.
„Anhand von Funkfeldmessungen in mehreren ausgewählten Orten wurde die Frage diskutiert, welchen Beitrag der Aufbau eines LTE-Netzes zur Breitbandversorgung im ländlichen Raum bieten kann“, erklärte Lüders. Dazu seien die gemessenen Empfangspegeldaten mit Korrekturtermen aus etablierten Funkausbreitungsmodellen versehen und mittels einer modifizierten Shannon Formel in Datenraten umgerechnet worden. Dabei habe sich gezeigt, dass sowohl vom Standpunkt der Funkreichweite als auch vom Standpunkt der Netzkapazität ein nahezu hundertprozentiger Versorgungsgrad für eine DL-Datenrate von mindestens 1 Mbit/s erzielbar sei. Hohe Versorgungsgrade mit Datenraten von 50 Mbit/s seien jedoch nicht zu erwarten.
Optimierung von WLAN-Netzen
Über das Thema „Optimierung von WLAN Zugangsnetzen durch richtlinienbasierte Ressourcensteuerung“ referierte Stephan Massner vom Institut für Telekommunikation an der Hochschule für Telekommunikation in Leipzig. Auf dem Standard IEEE 802.11 schlug er vor, eine richtlinienbasierende Steuerung der verfügbaren Ressourcen unter Klassifizierung der Datenströme und Berücksichtigung der zur Verfügung stehenden Dienstgüte durchzuführen. Eine Verbesserung gegenüber der bisherigen Technik im Hinblick auf die Garantie der Dienstgüte und Ressourcennutzung sei möglich, wenn eine Verteilung der richtliniendurchsetzenden Funktionen an den Netzzugangspunkten und eine Konzentration der richtlinienbasierten Entscheidungsfunktionen im Netz erfolge.
Test von Mehrwertdiensten
Bereits in naher Zukunft besteht bei den Netzbetreibern und Dienstanbietern ein großer Bedarf, schnell, einfach und kostenoptimiert neue Dienste in Form so genannter Mehrwertdienste anbieten zu können. Hauptverantwortlich für diesen Trend ist die Tatsache, dass sich mit normalen Telefongesprächen kaum noch Einnahmen erzielen lassen. Auf Basis der „Next Generation Networks“ (NGN) sollen daher neue Dienstemöglichkeiten und auch Einnahmequellen erschlossen werden.
„Um eine gute Qualität entwickelter Mehrwertdienste zu erreichen, ist ein sorgfältiges Testen erforderlich“, erläuterte Patrick Wacht vom Bereich „Forschungsgruppe und Labor für Telekommunikationsnetze an der Fachhochschule Frankfurt am Main. Dazu stellte er ein Testverfahren vor, das ein systematisches und effektives Testen von Diensten mit relativ geringem Aufwand ermöglicht. Das Verfahren beruht darauf, dass ausgehend von einem Zufallsautomaten, welcher den zu testenden Dienst beschreibt, automatisch eine Teilmenge generiert wird und mit Hilfe dieser Testfallmenge der Dienst automatisch getestet und das Ergebnis des Tests analysiert werden kann.
Einbindung von Sensoren in das Future Internet
Die Bedeutung von Sensoren und Sensornetzwerken ist in den vergangenen Jahren erheblich angestiegen. Diese eröffnen die Möglichkeit, Umgebungsinformationen wie zum Beispiel Temperatur, Helligkeit oder Umgebungslautstärke zu erfassen und bereitzustellen. Ihre Anwendungsbereiche sind sehr vielfältig und erstrecken sich von der Dienstanpassung bis hin zur Home Automation.
„Für die Einbindung der Sensoren werden einheitliche Schnittstellen verwendet, wodurch alle Bereiche profitieren, da redundante Aufbauten vermieden werden“, unterstrich Jörg Schneider vom Institut für Funkkommunikation und Navigation der TU Kaiserslautern. In seinem Referat zeigt er ein Konzept zur Integration und Anwendung von Sensoren in das Future Internet auf. Ein Hauptbestandteil sei die Anbindung der Sensoren zum Internet mittels eines Gateways und die standardisierte Darstellung der Sensordaten. Zusätzlich würden die Art der Kommunikation und notwendigen Metainformationen festgelegt, um standardisierte Schnittstellen zu erhalten und somit eine „Plug and Play“ fähige Architektur zu realisieren.