Illegaler Gen-Mais in Mecklenburg-Vorpommern: Erstes Bundesland veröffentlicht betroffene Flächen / Greenpeace und Bioland fordern Transparenz von allen Bundesländern

16. 7. 2010 – Als bislang einziges
Bundesland hat Mecklenburg-Vorpommern freiwillig Greenpeace und
Bioland bekannt gegeben, wo dieses Jahr gentechnisch verunreinigtes
Maissaatgut ausgesät wurde. Demnach wurde es auf insgesamt 53 Hektar
ausgebracht. Das verunreinigte Saatgut der Firma Pioneer Hi-Bred
wurde in sieben weiteren Bundesländern ausgesät. Zwar haben diese
angeordnet, die Maispflanzen zu vernichten. Sie haben aber nicht die
betroffenen Flächen bekannt gegeben. So verweigert beispielsweise
Baden-Württemberg, wo rund 90 Landwirte mit insgesamt etwa 640 Hektar
von dem Saatgut-Skandal betroffen sind, die Informationen. In den
vergangenen Jahren konnten Greenpeace und Bioland die
Veröffentlichung betroffener Flächen nur über den Klageweg erreichen.

„Auch die anderen Bundesländer müssen jetzt veröffentlichen, wo
der illegale Gen-Mais ausgesät wurde. Nur so können sich benachbarte
Landwirte, Saatguthersteller, Imker und Gärtner darüber informieren,
ob ihnen Schaden droht“, sagt Stephanie Töwe, Gentechnik-Expertin von
Greenpeace. „Die Flächen müssen zudem im Standortregister des
Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit für
jeden zugänglich eingetragen werden. Nur so ist Transparenz zu
erreichen.“ Verunreinigtes Saatgut wurde in Baden-Württemberg,
Bayern, Brandenburg, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen,
Rheinland-Pfalz und Thüringen ausgesät.

Saatgutproduzent will für den Schaden nicht aufkommen

Bioland und Greenpeace werfen dem Saatgutproduzenten Pioneer
Hi-Bred vor, die betroffenen Landwirte nicht entschädigen zu wollen.
„Die Landwirte dürfen nicht auf ihrem Schaden sitzen bleiben. Pioneer
muss die Landwirte umgehend und angemessen entschädigen“, fordert
Thomas Dosch, Präsident von Bioland.

Die Forderung aus Politik und der Saatgutbranche, Schwellenwerte
für gentechnische Verunreinigungen im Saatgut einzuführen, lehnen
Bioland und Greenpeace entschieden ab. „Ein Recht auf Verschmutzung
darf es nicht geben. Die EU-Regelung der Nulltoleranz muss Bestand
haben“, so Thomas Dosch. Danach darf Saatgut nicht vermarktet werden,
wenn es auch nur minimale Spuren von nicht zugelassenen
Gentech-Sorten enthält. Bioland und Greenpeace fordern, Saatgut
stärker zu überprüfen, damit die Saatgutfirmen ihre
Qualitätssicherung verbessern.

Das niedersächsische Landwirtschaftsministerium stellte erst Mitte
April fest, dass das Maissaatgut mit der gentechnisch veränderten
Sorte NK603 verunreinigt ist. NK603 ist in der EU nicht zum Anbau
zugelassen. Nach einer Vereinbarung der Bundesländer sind aber die
Ergebnisse der regelmäßig im Frühjahr durchgeführten Saatgutproben
bis zum 31. März zu veröffentlichen. Durch die verzögerte Bekanntgabe
wurde das kontaminierte Saatgut aus Niedersachsen nicht rechtzeitig
aus dem Handel genommen und statt dessen an Landhändler in sieben
weitere Bundesländer geliefert.

Achtung Redaktionen: Rückfragen bitte an Stephanie
Töwe/Greenpeace, Tel. 0171-8780 838, und Gerald Wehde/Bioland, Tel.
06131-2397 920. Die Informationen zum verunreinigten Maissaatgut
finden Sie unter http://www.bioland.de,http://www.greenpeace.de/Mais
saatgutverunreinigung2010 u. http://gpurl.de/C9pNc. Der Web-Film zu
Gentechnik: http://www.greenpeace.de/themen/gentechnik/