Bonn/Berlin, 12. Oktober 2010 – Der
US-Sonderbeauftragte für Afghanistan und Pakistan, Richard Holbrooke,
bezeichnet einen vollständigen militärischen Sieg über die Taliban
als unmöglich. Im PHOENIX-Interview sagte Holbrooke: „Wir suchen auf
keinen Fall nur den rein militärischen Sieg über die Taliban in
Afghanistan. Der ist nämlich nicht möglich, das müssen wir
realistisch sehen.“ Das Ziel sei vielmehr, ein „stabiles Afghanistan
zu gewährleisten, das sich mit internationaler Unterstützung auch
selbst verteidigen kann“. Hierfür müsse das Land jedoch auch lange
nach einem Abzug der NATO-Kampftruppen intensive Unterstützung
erhalten, insbesondere bei der wirtschaftlichen Entwicklung und der
Polizei-Ausbildung. „Ansonsten würde das Land im Kollaps enden“, so
Holbrooke. Ein umfassendes Friedensabkommen wie das Dayton-Abkommen
für Bosnien, das Holbrooke 1995 ausgehandelt hatte, werde es für
Afghanistan nicht geben können. Die westliche Staatengemeinschaft
habe aber keine andere Wahl, als in Afghanistan weiterzukämpfen. „Ich
bin nicht von meinem Erfolg überzeugt. Aber Scheitern ist keine
Option, wir müssen hier Erfolg haben“, so Holbrooke. Zusätzliche
deutsche Truppen für Afghanistan wollte der frühere US-Botschafter
auf Nachfrage jedoch nicht fordern. „Das muss Deutschland selbst
wissen. Ich weiß, was das für eine schwierige Frage für Deutschland
und die Deutschen ist, und ihren Beitrag schätzen wir sehr. Deshalb
werde ich die Deutschen jetzt nicht öffentlich auffordern, etwas zu
tun“, so Holbrooke im PHOENIX-Interview.
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