Höfliches unbestimmtes Verschieben

Höfliches unbestimmtes Verschieben

„Wir sollten uns unbedingt bald treffen“, „ich würde Sie gerne einladen“, „wollen wir zusammen eine Runde Golf spielen?“. Wer kennt sie nicht die netten Angebote von Menschen, die uns gerne näher wären, als es uns selbst lieb ist. Einfach zu sagen, „nein, das möchte ich nicht“ wäre klar und eindeutig, könnte aber vor den Kopf stoßen. Die renommierte Knigge-Expertin Sabine Schwind von Egelstein aus München hilft stilvoll aus diesem Dilemma:
Indem Sie den Vorschlag erst einmal positiv aufnehmen, geben Sie dem anderen ein gutes Gefühl. Die Umsetzung lassen Sie jedoch offen. Zum Beispiel so: „Gute Idee, das sollten wir wirklich einmal tun.“ Wenn Sie dabei lächeln, wird Ihr Gegenüber die eigentliche Ablehnung gar nicht bewusst wahrnehmen, da die Mimik zu 85% wirkt, das gesprochene Wort jedoch nur zu 15%.

Ein klares „Ja oder „Nein“ ist bei uns in Deutschland durchaus üblich. Deshalb mag diese indirekte Art der Kommunikation unaufrichtig wirken. In vielen Ländern der Welt, läuft die zwischenmenschliche Verständigung jedoch vorsichtiger ab. Das klare „Nein“ wird vermieden, damit die direkte Zurückweisung nicht so hart trifft. In Großbritannien oder Japan würde man das Missfallen mit einem Alternativvorschlag ausdrücken: „Das ist eine gute Idee. Wir könnten auch …“.

Schwind von Egelstein, die auch die Mitarbeiter internationale Konzerne in Sachen Etikette schult, weiß: „Die unterschiedliche Art der Kommunikation ist maßgeblich dafür verantwortlich, dass Deutsche in der Welt zwar geschätzt werden, jedoch nicht geliebt.“
Deshalb haben Sie keine Skrupel, die Technik des höflich unbestimmten Verschiebens anzuwenden. Ihr sensibles Gegenüber wird erkennen, was Sie meinen. Der Unsensible hat damit sowieso kein Problem!