Die katholische Kirche steckt in einer schweren
Krise. Missbrauchsfälle in erschreckender Zahl und Intensität, verübt
durch Priester und andere kirchliche Funktionsträger, erschüttern
Kirche und Gesellschaft. Der anhaltende Prozess der Entfremdung
zwischen Gläubigen und Kirchenführern hat einen immensen Schub
erhalten und er hat vielfältige Ursachen. Schon lange verstehen viele
Katholiken nicht mehr, warum sich der Vatikan so stur gegen
Verhütung, weibliche Priester, Laien oder die Abschaffung des
Zölibats stellt. Wie will die katholische Kirche begangenes Unrecht
lindern? Stehen nur Einzelne in der Verantwortung oder ist die Krise
der Kirche strukturell bedingt? Verkennt die Kirche die Zeichen der
Zeit? Ist sie überhaupt reformfähig? Ist sie reformwillig? Über diese
und andere spannende Fragen diskutiert Thomas Leif mit seinen Gästen
am Montag, den 20. September 2010, in der Kulturbrauerei in Berlin.
Seine Gäste sind:
– Bischof Stephan Ackermann, Missbrauchsbeauftragter der Deutschen
Bischofskonferenz
– Heiner Geißler, CDU, ehem. Generalsekretär und Bundesminister
a.D.
Die Reformunfähigkeit der Kirche hinterlässt Spuren: In der
Vertrauensskala steht die Kirche noch hinter Parteien, Aufsichtsräten
und Großbanken. Nach einer Forsa-Umfrage glauben zwei Drittel der
Bevölkerung, dass die Missbrauchsaffäre der Kirche dauerhaft
geschadet hat. Die ohnehin hohe Austrittswelle wird in diesem Jahr
massiv anschwellen. 20 Prozent der Menschen, die sich als weitgehend
oder sehr gläubig bezeichnen, denken laut Forsa über einen
Kirchenaustritt nach. Die Kirche, heißt es intern, muss sich
entscheiden, ob sie ihr eigenes Schrumpfen als unausweichlich
akzeptiert oder ob sie sich als Teil der modernen Gesellschaft sieht.
„2+Leif“ wird am Montag, 27. September, von 23.00 Uhr bis 23.30
Uhr im SWR Fernsehen ausgestrahlt. Kostenlose Zuschauerkarten gibt es
unter Tel. 030/20190236.
Pressekontakt: Heike Rossel, Tel.: 06131/929-3272,
heike.rossel@SWR.de.