Herdenverband- Was wir von Pferden lernen können

Eine Herde entsteht dann, wenn für die jungen Hengste die Zeit der Abreise gekommen ist. Mit einem geschlechtsreifen Alter von ca. 2 Jahren beginnen die jungen Hengste gegen die ranghöheren Pferde Machtkämpfe auszutragen, um einen Platz in der ersten Reihe zu ergattern. Ziel ist klar: einen Platz an vorderster Front als erster Hengst in der Rangfolge. Gelingt dies, wird die komplette Hierarchie neu ausgetragen und der siegende Hengst erwirbt sich das Recht mit der Leitstute Nachkommen zu zeugen. Verliert er den Kampf, wird er davon gejagt und aus der Gemeinschaft ausgestoßen. Nachdem er es noch ein paar Mal probiert hat, zu seiner Herde zurück zu kehren, gibt er endgültig auf und schließt sich mit den anderen Junggesellen zu einer neuen Herde zusammen. Diese Junggesellenherde streift durch das Land und sucht nach neuen Kontakten, findet sie diese, wird erneut ein Kampf ausgetragen, um auch diese Herde kräftig aufzumischen und eine verbesserte Stellung einzunehmen. Siegt einer der Junghengste, so gehört die gewonnene Herde ihm und er hat von nun an das sagen. Alle anderen gehen leer aus und versuchen ihr Glück woanders.

Von der Herdensituation der Pferde können wir einiges lernen. Auch wir sind unter einer „Herde´´ geboren und wir leben in ihr. Unsere Herden sind noch komplexer, denn es ist eine Vielzahl: Unser Arbeitsplatz, das eigene Zuhause, die Familie oder der Freundeskreis. In jeder dieser Herden halten wir einen bestimmten Platz inne, z.B. der Chef der Firma, der Vater von drei Kindern, der lustige Onkel oder der Zuhörer für jeden. Alle diese Positionen machen uns zu dem Menschen, der wir sind. Gruppenzusammenstellungen verändern sich, eine Familiensituation ändert sich, auf der Arbeit kommt ein neuer Chef oder Partner, neue Mitarbeiter sind jetzt auch ein Teil der Firma oder der Freundeskreis verkleinert sich. Jedes Mal, wenn eine neue Herde zusammengestellt wird, wird die Rangfolge in der Gruppe verändert, manchmal mehr und manchmal weniger. Es können Probleme entstehen, weil Positionen unklar sind, Kommunikation missverstanden wird oder das Team sich einfach nicht versteht. Vielleicht bleibt der ein oder andere dabei auf der Strecke.

Die Pferde haben eine sehr intensive Kommunikation, wie wir Menschen auch, jedoch unterscheiden wir uns von Ihnen, weil wir uns in bestimmte Verhaltensmuster drängen lassen. Wir lächeln den Kollegen jeden Morgen an, obwohl wir ihm am Liebsten mal die Meinung geigen würden, wir nicken unseren Chef bejahend zu, obwohl wir kein Wort von dem verstanden haben, was er uns vermitteln will oder aber wir trauen uns einfach nicht über das zu reden, was uns besorgt oder auf dem Herzen liegt. Probleme sind vielfältig, jedoch müssen sie nicht sein! Wir können von der sehr klaren Kommunikation der Pferde Führung erlernen, Kommunikation deuten und lernen, wie man sich und anderen das Leben leichter macht. Pferde sind immer ehrlich, aber niemals nachtragend- nehmen wir uns doch ein kleines Beispiel davon!