Die erste Außenministerin der EU verdient
wahrscheinlich mehr als jede andere Politikerin. Mit einem
Grundgehalt plus Ortszuschlag von mehr als 320000 Euro im Jahr lässt
Catherine Ashton selbst ihre amerikanische Amtskollegin Clinton und
Bundeskanzlerin Merkel hinter sich. Die Baroness of Upholland kann
sich zudem auf einen eindrucksvollen Apparat stützen: den
Europäischen Auswärtigen Dienst, der gestern offiziell seine Arbeit
aufnahm und mit 1200 Diplomaten in 136 Botschaften rund um den Globus
vertreten sein wird. Gleichwohl ist die EU weit davon entfernt, mit
einer Stimme zu sprechen. Wer wie einst Henry Kissinger nach der
Telefonnummer Europas fragt, wird nicht die von Lady Ashton wählen
wollen. Während Javier Solana als außenpolitischer Beauftragter der
EU in Nahost oder auf dem Balkan als Vermittler respektiert war,
bleibt die Soziologin und Ex-Handelskommissarin weithin unsichtbar.
Wenn sie sich zeigt, lässt sie allzu oft Instinkt vermissen. So im
Herbst, als sie die Einladung von Präsident Obama zum Nahost-Gipfel
in Washington ausschlug und lieber nach China reiste. Schon bei
Ashtons Nominierung war über die Selbstverzwergung Europas gemutmaßt
worden. Ein Jahr später lässt die Britin immer noch jede Vision von
europäischer Außenpolitik vermissen. Auch ein Heer von Diplomaten
wird das nicht aufwiegen.
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