Guy Wagner (BLI – Banque de Luxembourg Investments): Wahrscheinliche Anhebung der US-Leitzinsen im Dezember

Guy Wagner (BLI – Banque de Luxembourg Investments): Wahrscheinliche Anhebung der US-Leitzinsen im Dezember
Guy Wagner, Chefanlagestratege von BLI – Banque de Luxembourg Investments
 

„Bedenkt man die Äußerungen der Fed in den vergangenen Monaten, bleibt eine Erhöhung der Fed Funds Rate um 25 Basispunkte im Dezember das wahrscheinlichste Szenario“, sagt Guy Wagner, Chefanlagestratege und Geschäftsführer der Kapitalanlagegesellschaft BLI – Banque de Luxembourg Investments. „Im Dezember wird auch der Präsident der Europäischen Zentralbank, Mario Draghi, weitere Einzelheiten zu den Schritten nach dem Programm der quantitativen Lockerung, das bis einschließlich März 2017 laufen soll, bekanntgeben.“

Weltwirtschaftswachstum bleibt stabil und moderat
Das Weltwirtschaftswachstum bleibt stabil und moderat. In den USA stieg das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im dritten Quartal um 2,9 Prozent; im Vorquartal waren es noch 1,4 Prozent. „Einen großen Anteil am Wachstum hatten die Erhöhung Exporte sowie die – zuvor rückläufigen – Lagerbestände. Verglichen mit dem dritten Quartal des vergangenen Jahres stieg das BIP um 1,5 Prozent.“ In Europa deuten die Wirtschaftsindikatoren für das verarbeitende Gewerbe auf eine leichte Konjunkturverbesserung hin. In China scheint die Regierung bereit, die Aktivität im Immobiliensektor aufgrund des starken Preisanstiegs in den chinesischen Großstädten zu bremsen.

Inflationsrate dürfte im vierten Quartal zunehmen
Im September stieg die Inflation in den USA um 0,4 Prozentpunkte auf 1,5 Prozent. In der Eurozone wuchs die Preissteigerungsrate im Oktober von 0,4 Prozent auf 0,5 Prozent und damit auf den höchsten Wert seit zwei Jahren. „Im vierten Quartal dürfte die Inflationsrate aus technischen Gründen zunehmen, da die Vergleichsgrundlagen für die Ölpreise vor einem Jahr deutlich niedriger lagen“, meint der luxemburgische Ökonom.

Anleiherenditen werden aufgrund des geringen Weltwirtschaftswachstums nicht dauerhaft steigen
An den Rentenmärkten zogen die Langfristzinsen im Oktober an. In Deutschland, Italien, Spanien und in den USA stiegen die Renditen zehnjähriger Staatsanleihen jeweils. Guy Wagner: „Zurückzuführen ist dies auf die etwas günstigeren Indikatoren für das verarbeitende Gewerbe, die erwarteten höheren Inflationsraten für die kommenden Monate sowie auf die wahrscheinliche Anhebung der US-Leitzinsen im Dezember. Wegen des geringen Wachstums der Weltwirtschaft ist es kaum anzunehmen, dass die Anleiherenditen nun dauerhaft steigen.“

Klarere Richtung für Aktienmärkte nach US-Wahlen
Im Oktober blieben die Aktienmärkte ohne klaren Trend. Die größten Aktienindizes der USA und Europas gingen leicht zurück, während der japanische Topix zulegte und der MSCI Emerging Markets unverändert blieb. Bei den Branchen stieg der Index der europäischen Banken; die Indizes der Technologie-, Nahrungsmittel und Gesundheitswerte büßten hingegen ein. „Diese Branchenrotation ist eine Folge der – wegen der erhofften Konjunkturaufhellung – gestiegenen langfristigen Zinsen. Nach den US-Wahlen Anfang November dürften die Aktienmärkte wieder eine klarere Richtung finden. Da die jüngsten Erwartungen einer Konjunkturaufhellung durchaus enttäuscht werden könnten, dürfte das Jahresende möglicherweise schwieriger werden, obwohl es traditionell eine besonders günstige Börsenzeit ist“, sagt Guy Wagner abschließend.