Guy Wagner (BLI – Banque de Luxembourg Investments): Geringere politische Risiken in Europa begünstigen Wirtschaftswachstum

Guy Wagner (BLI – Banque de Luxembourg Investments):  Geringere politische Risiken in Europa begünstigen Wirtschaftswachstum
Guy Wagner, Chefanlagestratege der Banque de Luxembourg
 

Da die publizierten Wirtschaftsindikatoren seit Anfang April unter den Erwartungen liegen, dürften sich die hohen Stimmungsindikatoren und die weniger erfreulichen Statistiken der realen Wirtschaft annähern. In den USA könnte eine solche Konvergenz durch die Schwierigkeiten der Trump-Administration bei der Durchsetzung ihrer wirtschaftspolitischen Agenda ausgelöst werden. „In Europa scheint das Wirtschaftswachstum aktuell weniger gefährdet, weil die politischen Risiken zurückgegangen sind sowie im vergangenen Monat erfreuliche Unternehmensergebnisse veröffentlicht wurden – diese Faktoren gelten als die wichtigsten unterstützenden Faktoren für die Börsen“, sagt Guy Wagner, Chefanlagestratege und Geschäftsführer der Kapitalanlagegesellschaft BLI – Banque de Luxembourg Investments, und ergänzt: „Nun investieren Anleger immer noch vorzugsweise in Aktien, obwohl diese hoch bewertet sind, und der Anstieg der Indizes von immer weniger Titeln getrieben wird. Der Hauptgrund hierfür besteht nach wie vor im Mangel an alternativen Anlagemöglichkeiten, da Geldmarktzinsen und Anleiherenditen schon lange sehr niedrig sind.“

Konjunktur in China und Japan verlangsamt sich
In China schlagen sich die verringerten Konjunkturmaßnahmen seitens des Staates allmählich negativ in der Nachfrage nieder. Auf japanischer Seite könnte die große Exportabhängigkeit des Wirtschaftswachstums gegenüber den übrigen asiatischen Ländern in der zweiten Jahreshälfte auf die Konjunktur drücken, da in China nun eine Phase der Verlangsamung begonnen zu haben scheint.

Rentenmärkte der Eurozone bleiben uninteressant
Bei den Langfristzinsen gab es im Mai kaum Veränderungen. In den USA fiel die Rendite der zehnjährigen US-Treasury Note leicht. Guy Wagner: „Da ein Inflationsrückgang wahrscheinlich ist und sich die Konjunktur möglicherweise enttäuschend entwickelt, könnten die Anleiherenditen im Jahresverlauf weiter sinken.“ In der Eurozone gingen die Zinsen für zehnjährige Staatsanleihen in Deutschland, Frankreich, Italien sowie in Spanien leicht zurück. „Angesichts der mageren Renditen bleiben die Rentenmärkte der Eurozone recht uninteressant.“

Federal Reserve: zweite Leitzinssatzanhebung um 25 Basispunkte erwartet
Bei seiner nächsten Sitzung Mitte Juni dürfte der Offenmarktausschuss der Federal Reserve seinen wichtigsten Leitzinssatz zum zweiten Mal in diesem Jahr um 25 Basispunkte anheben. Die Währungshüter stufen das schwache BIP-Wachstum im ersten Quartal als vorübergehend ein. Die Europäische Zentralbank hielt sich bislang mit einem Wechsel in ihrer Geldpolitik zurück, obwohl die Wirtschaftsstatistiken verhältnismäßig günstig sind. Im Laufe des Monats werden weitere Details zur künftigen Strategie erwartet.

Zinsgefälle zwischen EUR- und USD-Anlagen begrenzt Kurssteigerungspotenzial des Euro
Im Mai wertete der Euro gegenüber dem US-Dollar auf und stieg von 1,09 USD auf 1,12 USD. Da US-Präsident Donald Trump seine wirtschaftspolitische Agenda nur schwer vorantreiben kann, kehrte die europäische Gemeinschaftswährung wieder auf ihr Niveau vor den amerikanischen Wahlen zurück. „Das kleiner gewordene politische Risiko in Europa stützt den Euro ebenfalls. Doch das hohe Zinsgefälle zwischen EUR- und USD-Anlagen begrenzt das weitere Kurssteigerungspotenzial des Euro“, meint der luxemburgische Ökonom abschließend.