„Mit ihrer mitgliederorientierten, nachhaltigen Wirtschaftsweise
haben die genossenschaftlichen Unternehmen die negativen Auswirkungen
der Finanz- und Wirtschaftskrise rasch bewältigt. Die 2.604
genossenschaftlichen Unternehmen haben 2010 ihre Marktchancen
genutzt. Mit dem Konjunkturaufschwung verbesserte sich die
Investitionsbereitschaft in der Landwirtschaft und bei den
Verbrauchern spürbar“, erklärt Manfred Nüssel, Präsident des
Deutschen Raiffeisenverbandes (DRV), bei der Bilanz-Pressekonferenz.
Der addierte Gesamtumsatz für die genossenschaftliche Gruppe
beträgt rd. 41 Mrd. Euro (2009: 38,4 Mrd. Euro). Das ist ein Plus von
6,7 %. Eine deutliche Erholung verzeichnen vor allem die Waren- und
Molkereigenossenschaften. „Prägend für den Geschäftsverlauf bleibt
die Achterbahnfahrt bei den Agrarrohstoffpreisen. Unsicherheiten
erwachsen aktuell aus den steigenden Rohölpreisen. Für den weiteren
Unternehmenserfolg ist daher ein konsequentes Qualitäts- und
Risikomanagement von entscheidender Bedeutung“, so Nüssel.
Waren- und Futterwirtschaft im Zeichen der Preisschwankungen
Die umsatzstärkste Sparte im DRV ist die Waren- und
Futterwirtschaft. Die in diesen Bereichen tätigen
genossenschaftlichen Unternehmen kehrten 2010 auf einen stabilen
Wachstumskurs zurück. Die anhaltende Preisvolatilität an den
Rohstoff- und Devisenmärkten sowie der einsetzende Aufschwung prägten
den Geschäftsverlauf. Die Warengenossenschaften erzielten Umsätze in
Höhe von 19,3 Mrd. Euro. Das ist ein Plus von rd. 4,3 % gegenüber
2009.
Aufgrund der positiven Entwicklung der Getreide- und
Milcherzeugerpreise sowie guten Konjunkturaussichten übertraf die
Investitionsbereitschaft der Landwirte die gedämpften Erwartungen für
die Agrartechnik deutlich. Auch der Absatz von Düngemitteln und
Saatgut legte zu. Das Pflanzenschutzgeschäft dagegen war
witterungsbedingt von Umsatzrückgängen gekennzeichnet. Im
Mischfutterbereich haben sich die operativen Ergebnisse trotz
gestiegener Rohstoffkosten stabilisiert. Der Produktionsrückgang aus
dem Vorjahr wurde ausgeglichen. Der Absatz von Mineralölen und
Brennstoffen lag trotz langer Kälteperioden leicht unter dem
Vorjahresniveau. Das Baustoffgeschäft profitierte von Impulsen aus
den Konjunkturpaketen der Bundesregierung.
Die Perspektiven 2011 werden unverändert von den Trends an den
Rohstoffmärkten bestimmt. „Die weltweit weiter dynamisch wachsende
Nachfrage nach Agrarrohstoffen für den Nahrungsmittel- und
Energiesektor werden die Preise und damit die Betriebsergebnisse der
Landwirte und ihrer Vermarktungspartner positiv beeinflussen.
Allerdings muss 2011 auch mit höheren Betriebsausgaben für Energie,
Lohn und Logistik gerechnet werden“, so Nüssel.
Insbesondere die Anforderungen bezüglich Qualitätssicherung machen
in allen Sparten zusätzliche organisatorische und bauliche Maßnahmen
notwendig, die von den Genossenschaften umgesetzt werden. Die
Grenzwert-Diskussionen zeigen, dass das Beprobungsnetz weiter
verfeinert werden muss. Immer unübersichtlicher gestalten sich die
Abgabevorschriften, z. B. für Pflanzenschutz- und Düngemittel. Hier
sind sowohl europäische als auch nationale Regelungen aus sehr
unterschiedlichen Rechtsbereichen (Pflanzenschutz-/Düngemittelrecht,
Chemikalienrecht, Terrorismusprävention) zu beachten. Hinzu kommen
neue Einstufungs- und Kennzeichnungsvorschriften.
Milchwirtschaft: Angebot und Nachfrage im Gleichgewicht
Der Milchmarkt stellte sich 2010 im Vergleich zum Krisenjahr
deutlich verbessert dar. Angebot und Nachfrage sind wieder im
Gleichgewicht. Die Erlöse für Milchprodukte und damit die
Erzeugerpreise entwickelten sich positiv. Die genossenschaftlichen
Unternehmen haben ihre Umsätze um rd. 10 % auf etwa 10 Mrd. Euro
gesteigert.
Die Milcherzeugerpreise konnten deutlich angehoben werden. Im
Jahresdurchschnitt 2010 erreichten die Erzeugerpreise nach Angaben
des BMELV im Bundesmittel 30,09 Cent/kg mit 3,7 Prozent Fett und 3,4
Prozent Eiweiß. Das Vorjahresergebnis wurde um 6 Cent übertroffen.
Langfristig eröffnet der Export den Molkereigenossenschaften gute
Chancen, da weltweit die Nachfrage nach Milch und Milchprodukten
stärker als das Angebot steigt. „Dafür brauchen wir gut aufgestellte
Unternehmen, die die Wachstumsmärkte bedienen und mit zunehmend
volatilen Märkten umgehen können“, so Nüssel. Hier sieht der
DRV-Präsident die genossenschaftliche Milchwirtschaft angesichts des
weiterhin dynamischen Strukturwandels auf einem guten Weg. Die
Gesamtzahl der Unternehmen sank im Jahr 2010 um 6 % auf 264. Die Zahl
der in der Milchverarbeitung und -vermarktung tätigen Unternehmen
ging um 13, 6 % auf 51 zurück.
Um den Herausforderungen auch künftig gerecht zu werden, wird sich
dieser Prozess fortsetzen, wie das jüngste Votum der bäuerlichen
Mitglieder von Nordmilch und Humana für den Zusammenschluss zum
Deutschen Milchkontor belegt. Es geht darum, mehr Eigenverantwortung
bei der Marktstabilisierung zu übernehmen, die Verwertungsstabilität
durch breitere Produktsortimente und Exporte zu erhöhen. Im Ergebnis
wird es größeren, breit aufgestellten oder über enge Kooperationen
miteinander verbundenen Unternehmen besser gelingen, Kostenvorteile
zu nutzen und notwendige Investitionen zu finanzieren, davon ist
Nüssel überzeugt.
Für eine stabile Marktentwicklung spielt der Außenhandel eine
wichtige Rolle. Prognosen, u. a. der FAO, zeichnen kurz- und
mittelfristig ein optimistisches Bild. Dennoch ist das Exportgeschäft
von Unsicherheiten geprägt. Insbesondere die Wechselkurse bewirken
rasche Veränderungen der relativen Wettbewerbsfähigkeit an den
internationalen Märkten. Weltweite Veränderungen von Angebot und
Nachfrage können angesichts der Liberalisierung des EU-Milchmarktes
maßgeblich das Handelsgeschehen bestimmen und stärkere
Preisschwankungen auslösen.
Vieh- und Fleischwirtschaft: Bauen Marktposition aus
Im Geschäftsjahr 2010 bauten die Unternehmen der
genossenschaftlichen Vieh- und Fleischwirtschaft ihre Position aus,
insbesondere auf den Exportmärkten. Sie erzielten ein stabiles
Ergebnis von erneut 4,9 Mrd. Euro. Im Fokus der Aktivitäten stehen
die Themen Nachhaltigkeit, Tierschutz und der Ausbau von Allianzen in
der Wertschöpfungskette.
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