Geht das vielleicht auch mit ZOOM?

Geht das vielleicht auch mit ZOOM?
Managementexperte Ralf Overbeck
 

Ähnlich verhält es sich laut der Studie hinsichtlich der Beurteilung der Qualität von Führung: Viele weibliche und männliche Führungskräfte schätzen sich und die Qualität ihres Führungsverhaltens in der Corona-Krise höher ein als zum Beispiel die Experten aus ihren Personalbereichen – so sagen 48 Prozent der Führungskräfte sie besitzen auch in der aktuellen Corona-Pandemie eine hohe Führungsqualität, aber nur 28 Prozent der HR-Experten teilen diese Einschätzung.

Von einer Misstrauenskultur zu einer Vertrauenskultur

Laut Overbeck hat die Pandemie zwar zahlreiche unternehmerische Entwicklungen positiv forciert: Meetings wurden kürzer, Entscheidungswege schneller sowie die Kommunikation mit Kunden und Lieferanten konnte plötzlich auch virtuell stattfinden. Dadurch stieg aber einerseits die Veränderungsgeschwindigkeit in den Unternehmen, andererseits wurde der Druck auf viele weibliche und männliche Führungskräfte und deren MitarbeiterInnen immer größer. Insbesondere die direkte Kommunikation blieb häufig auf der Strecke, weil der persönliche Gang von Büro zu Büro oder der fehlende Flurfunk im Home-Office nicht zu ersetzen sind. Für Führungskräfte und MitarbeiterInnen wurden somit immer wieder Entscheidungen schwerer nachvollziehbar bzw. erschloss sich der Sinn und Zweck erst wesentlich später.

Diese Entwicklung birgt Gefahren in sich. Es braucht künftig einen Wandel in der Unternehmensführung und damit in der Führung von Menschen, stellt Overbeck klar. ?Führung braucht Vertrauen?, so Overbeck, ?und muss vorgelebt werden.? Viele MitarbeiterInnen und Führungskräfte werden immer noch zu stark kontrolliert und weniger vertrauensvoll begleitet. In Krisenzeiten führt dies zu einer zusätzlichen physischen und psychischen Belastung aller Beteiligten. Laut Overbeck sind die Konsequenzen einer solchen Misstrauenskultur – gerade in Zeiten des demographischen Wandels – für den Fortbestand der Unternehmen gravierend: Angst, Unsicherheit bis hin zur Kündigung von LeistungsträgerInnen sind mögliche Folgen. Und bekanntlich, so Overbeck, gehen in solchen Zeiten immer die Falschen zuerst.