Freihandelsabkommen zwischen der EU und den USA schafft Wohlstand

Das Interesse der EU-Mitgliedsländer und der USA an einer Intensivierung der transat-lantischen Handelsbeziehungen steigt, insbesondere da Schwellenländer wie China oder Indien zunehmend an Wettbewerbsfähigkeit gegenüber den „traditionellen“ In-dustriestaaten gewinnen. Zwar verfügen die Europäische Union und die Vereinigten Staaten bereits über eine Reihe von Freihandelsabkommen mit verschiedenen Län-dern, doch ein transatlantisches Freihandelsabkommen (TAFTA) wäre in seiner Di-mension unübertroffen: „Ein solches Regelwerk würde einen Freihandelsraum schaf-fen, der nahezu 50 % der globalen Wirtschaftsleistung repräsentiert“, sagt Prof. Gabriel Felbermayr, Leiter des Bereichs Außenhandel am ifo Institut.

Um die Auswirkungen einer umfassenden Handelsliberalisierung bestimmen zu können, verglichen die ifo-Experten um Felbermayr die Handelsschaffungs-, Umlenkungs- und Wohlfahrtseffekte eines Binnenmarktszenarios, das den Wegfall nicht-tarifärer Handelsbarrieren miteinschließt, mit den Wirkungen, die sich bei einer bloßen Abschaf-fung von Zöllen ergeben würden. Mithilfe der Daten bereits existierender Freihandels-abkommen konnten die Wissenschaftler Rückschlüsse auf mögliche Effekte eines ver-gleichbaren transatlantischen Vertragswerks ziehen.

Vollständige Liberalisierung kann zu Handelszuwachs um 79 % führen

Die Studie zeigt, dass vor allem Unternehmen mittlerer Größe, die bisher nicht in die USA exportieren, Umsatz und Beschäftigung steigern können. Das gilt allerdings nur, wenn die Liberalisierung über die Abschaffung von Zöllen hinausgeht. Für diesen Fall errechneten die Wissenschaftler einen durchschnittlichen Zuwachs beim Handel zwi-schen den EU-Mitgliedsländern und den USA in Höhe von rund 79 %, also ein Vielfa-ches dessen, was eine reine Zollsenkung bewirken würde. Zwar würden Exporte aus Deutschland in bisher privilegierte EU-Länder – bedingt durch Umlenkungseffekte – deutlich zurückgehen, doch der Anstieg der Ausfuhren in die USA, nach Kanada und nach Mexiko (+94 %, + 19 % und + 10 %) würde den Rückgang mehr als kompensie-ren. Es zeigt sich, dass durch ein umfassendes transatlantisches Handelsabkommen auch der Austausch von Gütern und Dienstleistungen zwischen Länderpaaren steigen würde, die nicht direkt von einem Abkommen betroffen wären, im Durchschnitt um etwa 3,4 %. Insgesamt würde der Handel in etwa 56 % aller nicht direkt betroffenen Länderpaare zunehmen. Nur zwischen einigen wenigen Ländern könnten die Transaktionen zum Erliegen kommen. Grundsätzlich erhielten darüber hinaus auch Länder, die entweder nur mit den USA oder nur mit der EU ein Freihandelsabkommen unterhalten, Anreize, ein Abkommen auch mit dem jeweils anderen großen Partner zu schließen.

Bei den Wohlfahrtseffekten zeigte die Studie, dass das reale Einkommen in den EU-Mitgliedsländern bei einer umfassenden Liberalisierung zwischen 2,6 % und 9,7 % ansteigen würde, für Deutschland wäre der Wert 4,7 % und für die USA sogar 13,4 %: „Durch eine vollständige Liberalisierung gäbe es zum einen langfristig mehr Produkte für die Verbraucher auf dem Markt, zum anderen würden die Preise aufgrund der ge-ringeren Handelskosten fallen, was die Kaufkraft der Einkommen stärken würde. Im Falle einer reinen Zollabschaffung hingegen würde die Wohlfahrt z.B. in Deutschland nur um 0,24 % zunehmen“, erklärt Felbermayr.

Positive Auswirkungen hätte TAFTA auch auf den Arbeitsmarkt. Zwar gingen weltweit etwa 240.000 Jobs verloren, aber in Deutschland wären bis zu 110.000 neue Arbeits-plätze und in der EU insgesamt 400.000 neue Stellen zu erwarten. Auch in den USA würde die Beschäftigung zunehmen; leichte Beschäftigungszuwächse wären auch in Kanada und Mexiko zu verzeichnen. Gleichzeitig stiege die durchschnittliche Produkti-vität, was vermehrt zu Preissenkungen und besser bezahlten Anstellungen führen wür-de. „Im Falle des Binnenmarktszenarios würde der Lohn bei einem durchschnittlichen Bruttomonatsverdienst von 3.311 Euro um rund 268 Euro pro Monat steigen“, ergänzt Felbermayr. Zusammenfassend betont der Experte die dreifache positive Wirkung von TAFTA. „Es ist ein Wachstumsbeschleunigungsprogramm, es fördert die mittelständi-schen Unternehmen und es führt zu einer Zunahme sicherer und gut bezahlter Be-schäftigungsverhältnisse.“

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